Geschichten aus der Quarantäne

In den letzten zwei Wochen wurde ich häufig gefragt, wie Japan so sei und was ich so erlebt hätte. Ich sag’s mal so: Keine Ahnung, wie Japan so ist, weil ich in der Quarantäne maximal zwei bis drei Mal am Tag ganz kurz rausgegangen bin, um etwas zu Essen zu besorgen und um einen Spaziergang zu machen. Aufgrund von Corona-Bestimmungen mussten wir halt diese zwei Wochen in Quarantäne verbringen, doch eigentlich war das völlig übertrieben, denn wir wurden ja alle negativ getestet und hätten wohl schon nach einer Woche entspannt unseren Angelegenheiten nachgehen können. Wir durften allerdings unter keinen Umständen mit den Öffis fahren. (Als ob ich das machen würde, hej, mit NULL AHNUNG von irgendetwas! 😀 ) Alles andere war so in einer Grauzone.

Die Unterkunft: Das Hotel war nicht so superschick, aber funktional. Die Zimmer waren sauber, das Bad (wie aus einem Stück Plastik gegossen) ok und das Bett war im Vergleich zum Rest des Zimmers riesengroß. Meistens hatte ich die Koffer in der Ecke verstaut, damit man irgendwie durch durch das Zimmer laufen konnte. Aber im Grunde habe ich mehr oder weniger zwei Wochen lang in einem Hotelbett gelebt, ausgestattet mit meinem Laptop und Kopfhörern.

Das Essen: Wir haben uns hauptsächlich von Conbini-Futter (also Essen von kleinen Läden wie Seven Eleven, Family Mart und Lawson) ernährt, das allerdings erstaunlich gut schmeckt für Fertigprodukte. Onigiri, kalte Ramensuppe, Nudeln, Salate, Sandwiches, hart gekochte Eier. Unmengen von Knabbersachen, die auch total lecker sind, zum Beispiel Edamame-Chips, Matcha-Schokolade und Vollmilch-Keks-Pilze. Ich hab mich in ein Getränk verliebt, das aus geröstetem Soyabohnenmehl hergestellt ist. So köstlich! Manchmal sind wir aber auch zu Prince Pepe (sehr schicker Supermarkt!) gelaufen, um uns etwas hochwertigere Nahrung (zum Beispiel völlig überteuertes Obst oder Käse mit französischem Brot) und – ganz wichtig – Tonic Water zu besorgen. Das war dann aber auch wirklich etwas Besonderes!

Die Leute: Da wir zu viert im Hotel untergebracht waren, hatten wir viel Zeit zusammen. Wir haben versucht, möglichst die Mahlzeiten zusammen einzunehmen, mein Zimmer war dann gegen Ende so das Esszimmer. Natürlich konnte auch jede*r der Netflix-Sucht fröhnen (alle Teenie-Schmonzetten!), Bücher lesen, Unterricht vorbereiten, und vieles mehr. Aber letztlich sind wir oft bei guten Gesprächen versackt, haben einen Spiele-Abend und einen Film-Abend zusammen verbracht und am letzten Tag haben wir ein richtig großes Büffett zusammengestellt, einfach weil’s geil ist und weil wir den letzten Quarantäne-Abend als einen besonderen feiern wollten. Der Gin war danach übrigens auch leer.

Das Wetter: Es war und ist einfach nur seeeeehr heiß! Und das Schlimmste ist nicht die Hitze, sondern die unfassbar hohe Luftfeuchtigkeit, die zwischen 50%-70% schwankt. Die gefühlte Temperatur liegt teilweise bei 47° C, obwohl „nur“ ca. 34° C herrschen. Nachts kühlt es kaum ab, aber beim Stadion, um das wir einige Male herumspaziert sind, wehte oft ein sehr angenehmer und willkommener Wind, der einem das Leben bei der Hitze wahrlich leichter macht. Übrigens: Als wir das erste Mal ums Stadion gelaufen sind, lief gerade ein Fußballspiel der Yokohama F. Marinos! Wir haben kurz durch ein Tor gelinst, es saßen sogar Leute im Stadion.

Die Highlights der Quarantäne-Zeit waren für mich vor allem diverse Besuche von Kolleginnen. Einmal war Tina (meine Patin) da, um uns kennenzulernen, ein zweites Mal brachte sie Lisa mit. Wir saßen jedes Mal im Park und haben gesnackt und gequatscht, Sake und Gin getrunken und als kleines Extra viele Mückenstiche als Bonus mitgenommen. Ich zumindest. Ein andermal kam Verena vorbei, um sich nach unserem Wohlbefinden zu erkundigen. Auch im Park, natürlich.

Oh, einen besonderen Moment muss ich noch teilen. Bei einem Abendspaziergang um das Stadion herum, tauchte in der Dämmerung hinter den Häusern auf einmal der Fuji auf, und das noch am Tag des Berges! Phantastisch!

Obwohl die Quarantäne nervig war, war es doch eine schöne Phase, in der ich Zeit hatte, meine drei neuen Kolleg*innen kennenzulernen und ein paar Erinnerungen zu schaffen. Ich bin sicher, dass uns diese Phase in irgendeiner Form verbinden wird. Allerdings freue ich mich auch sehr auf die „Freiheit“ und hoffe, dass ich so schnell wie möglich eine Wohnung finde, damit ich mich ohne zusätzlichen Stress auf die Arbeit konzentrieren und ankommen kann.

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