Iwakuni und die Kintai-Brücke

Am Sonntag ging es für mich also wieder mal auf Reisen. Ich hatte schon vor einiger Zeit beschlossen, dass ich die Kintai-kyo-Brücke in Iwakuni anschauen möchte. Die Gegend soll wunderschön sein und ich hatte mir viele Bilder angeschaut. Es ist tatsächlich so wie es auf den Fotos aussieht! Da ich mich aber lange nicht aufraffen konnte, wirklich zu fahren, habe ich ewig gebraucht, um zu packen und mir den letzten Ruck zu geben.

In Tokio und Osaka herrscht jetzt nämlich wieder der State of Emergency, da die Corona-Fälle steigen und alle Panik schieben. Allerdings sehe ich das Ganze immer in Relation zu Deutschland, und das ist kein Vergleich. Die Zahlen hier sind im Gegensatz dazu echt ein Witz. Trotzdem sind Japaner*innen sehr vorsichtig und halten sich oftmals auch einfach so an die empfohlenen Richtlinien.

Ich bin also trotzdem losgedüst und habe es nicht bereut. Mein Hotel lag direkt neben der Brücke und die Kintai-Gegend ist wunderschön. Wenn man die Brücke überquert, kommt man in den Kikko-Park, eine Art Altstadt oder Tempelpark. Dort bin ich am ersten Abend in der Dunkelheit herumspaziert. Die Frösche haben ein ganz lautes Quak-Konzert gegeben, es war fabelhaft! Anschließend habe ich mir im Konbini was zu Essen geholt und bin im Hotel in den Onsen mit Blick auf die schöne Brücke gegangen.

Am nächsten Morgen gab es ein leckeres japanisches Frühstück. Mit Reis, Fisch und Misosuppe. Gestärkt bin ich über die Brücke spaziert, die übrigens auch Eintritt kostet. Ich habe mir das Gesamtpaket geholt, Tickets für die Brückenüberquerung, Museen, die Gondel und die Burg. Die Abschnitte sind so durchdacht, dass man am Ende nur noch ein hübsches Kärtchen in der Hand hält und alles der Reihe nach machen kann, ohne gestresst zu sein. Ich habe zwischendurch einen Kaffee an einem sehr hübschen Kaffee-Bus getrunken. Das ist eigentlich eine kleine Kaffee-Rösterei namens „imm coffee & roasters“. Die Museen waren ok, nichts Krasses jetzt, aber im Kunstmuseum Iwakuni habe ich ein wunderschönes Exponat entdeckt. Ein Memory-Spiel mit bemalten Muscheln. Es war einfach nur toll! So ein Spiel hätte ich wirklich auch gerne. Und ich habe vorher so etwas noch nie gesehen!

Der Blick von der Burg allerdings ist gigantisch! Bei guter Sicht sieht man bis zur Seto-Inland-See! Die Burg an sich ist eher lahm. Trotzdem lohnt es sich, diesen Ort zu besuchen. Wenn man vom Ort aus über die Brücke auf die andere Seite geht, sieht man am Ufer einen Weg, der von Kirschbäumen gesäumt ist. Während der Sakura-Zeit muss das unglaublich schön aussehen. In den Bäumen hängen Laternen. Ganz schön romantisch und magisch, dieser Ort! Nachmittags hab ich mir im Café, das auch den Kaffee-Bus betreibt, einen Chai Latte und einen superleckeren Muffin geholt, mich an den Fluss gesetzt und ganz gemütlich gelesen.

In der Abenddämmerung habe ich einen Spaziergang durch den Ort gemacht. Unterwegs habe ich einen kleinen Woll-Laden entdeckt – „wwwool“ heißt der. Die Weberin, die dort ihr kleines Atelier hat, heißt Kaori Sako und macht ganz tolle Sachen. Eigentlich hatte sie schon zu, hat aber meinetwegen doch nochmal die Tür aufgemacht und das „open“-Schild rausgestellt. Sie war sehr nett und hat ein bisschen auf Englisch erzählt, dass sie eben Weberin ist, gerne auf Reisen Stoffe kauft und diese mitbringt. Unter anderem hatte sie Stoffe aus Guatemala da. Ich war mir nicht so sicher, ob das nur Deko ist oder ob man die Sachen auch kaufen kann. So oder so: Ich habe mich in eine kleine rote Tasche verliebt, die ich natürlich dann auch kaufen wollte. Kaori meinte zu mir, sie sei etwas teuer. Ich nur so: „Macht nichts, du hast sie ja selbst gewebt und hergestellt.“ Sie hat sich soooo gefreut. So viele Emotionen wie bei ihr habe ich in meiner ganzen Zeit hier bei Japaner*innen nicht erlebt. 😀 Also wurde gleich wieder ein Foto gemacht von mir und der Tasche und das dann direkt bei Instagram gepostet. So lustig, ey. Aber sie macht wirklich hübsche Sachen, kann ich also sehr empfehlen.

Zurück im Hotel hab ich mich wieder in den Onsen begeben. Schon praktisch, wenn einer im Hotel ist. So richtig super finde ich Onsen nie, aber es ist ganz schön, wenn es draußen ist. Vor allem, wenn man einen schönen Blick hat.

Am nächsten Morgen wieder Frühstück: Diesmal aber europäisch. Mit Croissant und Omelette, Kaffee (den ich ja eh eigentlich nicht trinke) und O-Saft. Ganz merkwürdig war das. Besonders, weil alle anderen japanisches Frühstück hatten mit Reis und Misosuppe und so. Ich habe mich so gewundert, dass ich erstmal überlegen musste, ob ich am Tag vorher etwas falsch gemacht hatte?! Jedenfalls ist das mal wieder eine sehr witzige Anekdote.

Nochmal über die Brücke, um ins Museum für Lokalgeschichte zu gehen. Das hätte ich mir schenken können. Es war denkbar schlecht. Mir kam es eher so vor, als ob da einfach nie jemand ist und es sich deshalb nicht lohnt, es zu pflegen. Es wirkte ein bisschen vermüllt, irgendwie. Es gab auch keine Eintrittskasse oder so etwas. Weil ich ein paar Postkarten entdeckt hatte, wollte ich sie kaufen und habe eine andere Besucherin gefragt, ob sie wisse, wo man die Postkarten bekommen könne. Sie ist gleich losgerannt in einen dunklen Gang und hat vermittelt. So nett! Aber alles trotzdem sehr merkwürdig da. In einem kleinen Kabuff saßen zwei Leute, ein Mann und eine Frau. Die Frau hat mir dann meine Postkarten geholt und der Mann ist nur geschäftig hin- und hergelaufen. 😀 Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich eigentlich hätte Eintritt zahlen müssen. Aber gut. Bei der „Grand Chief Bakery“ habe ich mir noch für die Fahrt etwas zu Essen organisiert. Dann nochmal schnell aufs Klo im Hotel, das Gepäck holen und mit dem Bus in die Stadt fahren. Die lohnt sich tatsächlich auch nicht wirklich. Aber ich habe einen süßen Laden entdeckt und einen vietnamesischen Snack habe ich im „rice & wheat“ bekommen. Die Inhaberin des winzigen Lokals ist so nett, sie hat mir gleich erzählt, dass ihre Cousine Geige spielt in Deutschland und wir haben sie direkt im Internet gefunden. Die Kinder sind natürlich auch hochmusikalisch und bekannt. Wir haben uns dann ein Youtube-Video angeschaut von ihrer Nichte.

Mit dem Bummelzug bin ich anschließend nach Hiroshima gefahren, wo ich umsteigen musste, um nach Fukuoka zu fahren. Allerdings hatte ich Lust auf einen kurzen Stopp und einen Spaziergang durch die Stadt. Wie ich da so durch die Straßen stromere, entdecke ich einen Laden, der so aussieht, als ob er mir gefallen könnte. „Gemisch“ heißt er. Die Betreiberin war auch sehr freundlich und wollte wissen, woher ich käme. Ich: „Yokohama“ Sie: „But…“ Ich: „Ok, Germany“ Sie: „Ich lerne Deutsch.“ 😀 Ich mal wieder perplex. Sie hat ein Jahr in Berlin einen Sprachkurs besucht und ist ein riesiger Flohmarkt-Fan. Natürlich! Und der Laden war auch ein einziger Flohmarkt mit lauter tollen Sachen. Ich hab in ein Regal voller deutschsprachiger Insel-Taschenbücher geblickt und eins über Römische Münzen und eins über Griechische Vasen entdeckt. So lustig. Und dann ist etwas Seltsames passiert. Ich hab in ein Regal gegriffen, in dem lauter alte Landkarten lagen. Und das erste Blatt, welches ich in die Hand genommen habe, war eine Karte von. Na? WÜRZBURG! Ich war völlig aus dem Häuschen. Was für ein Zufall ist das denn bitte?!?!?! 😀

Nachdem ich nochmal in dem Matcha-Laden war, den wir letztes Mal zufällig in Hiroshima entdeckt hatten, habe ich mich auf den Weg nach Fukuoka gemacht.

Die Kintai-Gegend ist wirklich wunderschön, da fahre ich auf jeden Fall nochmal hin, wenn sich eine Gelegenheit ergibt!

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