Ostern und Sakura in Kanazawa oder: Wie man bei Regen nicht nass wird

Die Woche fing ganz cool an, zwar hatte ich eine Vertretungsstunde in der 8. Klasse, aber das stellte sich als sehr interessant heraus. Meine Kollegin Daniela hatte die Vertretungslehrer*innen gebeten, zu Jugend debattiert ein Video zu zeigen und im Anschluss (meine Stunde dann) den Schüler*innen Themen zur Diskussion zu stellen. 

Zwei Jungs waren etwas schneller und wollten im Anschluss Argumente finden zum Thema „Erbschaftssteuer in Deutschland“ – das war insofern spannend für mich, weil ich dachte, sie finden das doof. Aber es stellte sich heraus, dass sie total dafür sind und es nicht ok finden, dass manche Menschen sich um diese Steuer herummogeln können. Fand ich für eine 8. Klasse super! 🙂

Die 5er haben mir zwar mal wieder den letzten Nerv geraubt, aber ich konnte mich auf ein Picknick mit Verena aus der Verwaltung freuen. Nach ihrem Feierabend haben wir uns was zu Essen und Trinken im Konbini geholt und saßen im Park unter – leider nicht mehr blühenden – Kirschbäumen. Wir haben richtig lange gequatscht…

Dienstag hatte ich wieder spät Schule, was mir immer ein bisschen mehr Schlaf ermöglicht. Das ist unglaublich toll 🙂 Abends habe ich mich mit Henning in Tama-Plaza getroffen, weil wir in einen Teeladen gehen wollten. Dort haben wir drei verschiedene Tees gekostet – zwei unterschiedliche Grüntees und einen Sakura-Tee. Die Kirschblüten sind in Salz eingelegt und so haltbar gemacht. Diese werden mit heißem Wasser aufgegossen und der Tee schmeckt dann halt salzig. Und kaum nach Kirsche. Echt der Knaller. Manchmal sind auch so salzige Sakurablüten auf Gebäck mit drauf als essbare Deko. Sieht total hübsch aus! Nach einem leckeren Abendessen sind wir wieder nach Hause gefahren und ich konnte mich doch noch zur LBR-Sitzung dazuschalten. Zum Glück war die Woche recht gut, weil sie verkürzt war. Donnerstag Abend bin ich zu Lisa gefahren, um Ostereier zu färben. Das hat so einen Spaß gemacht! Haben wir beide vorher noch nie ausprobiert, weil es irgendwie nie nötig ist. Meine Mama macht ja eh die schönsten Ostereier. 🙂 Lisa und ich haben richtig lange gequatscht und hatten einen superschönen Abend. Die Eier sind auch toll geworden. Zu Hause musste ich dann noch schnell meinen Kram packen, weil ich am Freitag nach Kanazawa fahren wollte. Tina hatte sich recht spontan entschieden, mitzukommen. Lustigerweise hatte ich aus Versehen ein Doppelzimmer gebucht – die Voreinstellungen halt… Hat dann aber perfekt gepasst! 

Um 8 Uhr haben wir uns in Azamino getroffen und sind erstmal nach Tokio gegurkt, von wo aus der Shinkansen fahren sollte. Kaffee darf halt leider nicht fehlen, deshalb haben wir erstmal noch einen Starbucks gesucht. Aber: aus diesem Grund haben wir unseren Zug verpasst und mussten 40 Minuten auf den nächsten Shinkansen warten. Letztlich saßen wir dann in einem Shinkansen, in dem man nur mit reservierten Plätzen fahren konnte. Hatten wir natürlich nicht. 😀 Wir haben uns voll den Stress gemacht, weil wir nicht wussten, ob das jetzt geht und so weiter. Aber der Schaffner hat uns einfach abkassiert und das war ok. 780 Yen kostete die Reservierung letztlich, also eigentlich alles kein Problem. In Japan hat aber auch wirklich alles seine Ordnung. 😀 

In Kanazawa konnten wir direkt ins Hotel einchecken – das Hotel Pacific Kanazawa ist eine sehr gute Unterkunft. Es war günstig und liegt toll. Nicht sehr nah am Bahnhof, aber dafür nah an den Sehenswürdigkeiten. Wir sind auch direkt losgelaufen zur Burg und zum Kenroku-en. Dieser Garten ist unglaublich schön – überall standen die Kirschbäume in voller Blüte und zufällig musste man an diesem Wochenende keinen Eintritt zahlen. Wir sind einfach herumspaziert, haben das Blütenmeer und den Sonnenschein genossen und die Seele baumeln lassen. Ein kurzes Päuschen bei Mochi und Lemon Sour unterm Kirschbaum musste natürlich auch sein. Am späten Nachmittag sind wir in der Abendsonne durch das Higashi Chaya Viertel geschlendert und haben das Flair dort auf uns wirken lassen. So eine schöne Stadt! Lisa und Daniel sind recht spontan auch noch nach Kanazawa gekommen und abends haben wir uns mit den beiden in einem tollen Izakaya zum Essen getroffen. So lecker alles! Der Abend war richtig toll. Da Lisa und Daniel im selben Hotel untergekommen waren wie wir, konnten wir im Hotel noch einen Absacker auf unserem Zimmer trinken. 

Samstag sind Tina und ich mit einem Kaffee im Hotel-Café in den Tag gestartet. Wir saßen in der Sonne – es war einfach perfekt. Anschließend sind wir über den Fischmarkt geschlendert, der direkt neben dem Hotel liegt. Da haben wir uns erstmal durchprobiert. Erst Sushi (ganz frisch!), dann Jakobsmuscheln, Tintenfisch, Aal und Gelbschwanzmakrele. Als Nachtisch gab es ein Schokomochi mit Erdbeere. Nomnomnom!

Gut gesättigt und mehr als glücklich sind wir ins alte Samurai-Viertel spaziert und haben dort ein Samurai-Haus angeschaut. Das Museum war ganz klein, aber das Haus hatte einen wunderschönen Garten mit Koi-Teich. Tina hatte ein paar Frauen beim Tee-Trinken beobachtet, also wollten wir da auch hin. Die Japanerin, die uns da einen leckeren Matcha zubereitet hatte, empfahl uns noch ein paar Keramikläden. Auf der Suche nach einer Matcha-Schale kam uns das natürlich sehr gelegen. In diesen Keramikläden kann man sich halt auch komplett verlieren. Unglaublich schöne Sachen gibt es da! Kanazawa ist im Grunde DIE Kunsthandwerksstadt. Keramik, Blattgold, Schmuck und vieles mehr kann man dort finden. Es ist fabelhaft. 

Eigentlich wollten wir ja noch mit Lisa und Daniel an den Strand fahren, aber wir waren schon recht spät dran und ich wollte unbedingt noch in einen kleinen Laden nahe dem Hotel. Deshalb haben wir uns gegen den Strand entschieden, der wohl auch nicht so dolle war. Aber: ich habe eine superschöne, in Kanazawa getöpferte, knallbunte Matcha-Schale gefunden. Und gefühlt noch 10000000 anderer schöner Dinge. Bin ganz im Glück, ey! 😀

Auf dem Weg zum Blattgold-Museum sind wir in einem Café hängengeblieben, in dem wir Taiyaki in der für Kanazawa typischen Form gefuttert haben. Wir hatten so ein Glück mit dem Wetter, denn wir konnten wieder die wunderschöne Abendsonne im Higashi Chaya Viertel mitnehmen. Auf einmal lief eine Geisha durch die Sträßchen. Tina und ich sind ihr wie so Paparazzi hinterhergelaufen. Ein bisschen peinlich. 😀 Ich kam mir wieder vor wie in einer anderen Zeit!

Zufällig haben wir einen kleinen Laden mit Schreib- und Textilwaren entdeckt, in dem wir uns sowas von eingedeckt haben. Alte japanische Postkarten, Poster, Stoffe. Alles, was das Herz begehrt. Ich sage ja immer: Wir haben eine Verpflichtung, unser Geld in Japan auszugeben, denn wer soll sonst die Wirtschaft ankurbeln?! 😀

Abends haben wir Ramen gegessen. Auch sehr lecker. Wir wollten uns mit Lisa und Daniel am Fluss treffen, saßen aber erst eine ganze Weile alleine da. Die beiden kamen und kamen nicht, also liefen wir ihnen entgegen. Wir haben sie tatsächlich am Hatchi-Hotel getroffen, wo eine Ausstellung eines bekannten Tokioter Graffiti-Künstlers zu sehen war. Daniel war ganz in seinem Element! Die Ausstellung war super, die Location auch. Es gab Bier und einen DJ, die Leute waren total nett und offen. Richtig cool! Wir konnten uns recht lange mit einem Japaner aus Osaka unterhalten, der super Englisch sprach und auch sehr reflektiert und kritisch war. Spannende Gespräche! Wir vier sind dann noch weiter an den Fluss, wo wir noch ein bisschen unter Sakura-Bäumen und Sakura-Ohrwurm gechillt haben. Im Hotel gab es dann die Ostereiersuche. 🙂 

Nach einer kurzen Nacht ist Tina schon abgedüst zum Kunstmuseum, Lisa und ich sind spontan ins D. T. Suzuki-Museum, ein Zen-Museum im Grunde. Es ist ganz klein, aber sehr sehenswert! Man hat viel Zeit zum Innehalten und Reflektieren, eine kleine Zen-Erfahrung, irgendwie. Wir sind danach bei strömendem Regen durch einen kleinen Park zum Kunstmuseum gelaufen, wo wir uns eigentlich mit Daniel treffen wollten. Der war aber noch im Hotel, also haben wir uns was Essbares gesucht. Wir sind bei einem Schrein gegenüber vom Museum gelandet, wo wir uns ein paar Snacks gekauft und „Free Sake“ getrunken haben. Daniel kam irgendwann dazu. Wir sind zusammen erst ins KAMU gelaufen, wo wir eine supercoole Ausstellung gesehen haben. Takuro Kuwata, Stephanie Quayle und Leandro Erlich waren die Künstler. Anschließend sind wir noch ins 21st Century Museum of Contemporary Art gehüpft, wo wir auch Domi und Ryoko getroffen haben. So lustig! Alle in Kanazawa. Weil Sonntag und dazu noch Regenwetter war, war die Hölle los im Museum. Wir haben uns ein bisschen was angeschaut, aber es war richtig anstrengend. Lisa und ich wollten noch etwas essen gehen, aber es hatte wirklich alles zu. Also sind wir ins Hotel gelaufen, um unser Gepäck zu holen und einen Tee zu trinken. Daniel hat uns dann mit dem Taxi abgeholt, um zum Bahnhof zu fahren. Wir waren aber komplett nass. Die Fahrt nach Hause dauerte gefühlt ewig. Aber ich war froh, als ich dann gegen 23 Uhr endlich daheim war. Zum Glück war Ostermontag noch frei! Aber Kanazawa ist auf meiner Lieblingsstädte-Liste ganz weit oben gelandet.

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