Kobe – Die westlich geprägte Hafenstadt

Eigentlich sollte meine Reise nach Kobe so früh wie möglich starten. Leider habe ich beim Packen meiner Sachen wieder so rumgetrödelt, dass es total spät wurde und ich am Montag verschlafen habe. Also ging meine Reise später los als angedacht, was aber einen Vorteil hatte: Tina hatte sich kurzfristig entschieden, einen Tag früher nach Nara zu fahren (das liegt zwischen Osaka und Kyoto, also quasi auf dem Weg). Und so landeten wir im selben Shinkansen. Ich hab mich total gefreut, weil wir noch ganz viel zu bequatschen hatten und so die Fahrt bis nach Kyoto wie im Flug verging. Mein Weg führte mich weiter nach Kobe. Dort angekommen habe ich erst einmal mein Gepäck eingeschlossen und bin zum Nunobiki-Wasserfall spaziert. Das war eigentlich ne Wanderung, aber ich hatte völlig falsche Klamotten dafür an. Natürlich, weil ich mal wieder völlig ohne Plan losgedüst bin. Egal, das Wetter war bombastisch und die kleine Wanderung superschön. Leider war der Wasserfall sehr dünn, aber die Ecke ist trotzdem eine schöne Naturoase inmitten der Stadt.

Wieder unten am Bahnhof angekommen war auch schon Zeit für den Check-In im Hotel. Also bin ich da hingefahren, alles leicht zu finden. Das Hotel (The Royal Park Canvas) liegt sehr zentral im Viertel Sannomiya. Nach dem sehr freundlichen Check-In (auf Englisch!) habe ich mein sehr großes und sauberes Zimmer bezogen. Kurz frischmachen und kurz runter ins Hotel-Café, wo mich ein kleiner Willkommensdrink erwartete. Währenddessen konnte ich mir überlegen, was ich mit dem angebrochenen Tag noch anfangen wollte. Ich bin erst einmal in Richtung Hafen gelaufen, weil es dort eine Gedenkstätte für das große Erdbeben von 1995 gibt. Die Gedenkstätte ist kleiner als erwartet, aber eindrucksvoll. Es ist ein Teil des zerstörten Hafens. Um diese Stätte herum ist ein riesiges, wunderschön angelegtes Hafenareal, das zum Verweilen einlädt. Viele Jugendliche hatten sich getroffen und saßen zusammen, manche haben Ball gespielt, andere sind einfach herumgelaufen. Mitten auf dem Platz steht ein Starbucks, der ganz niedlich in einem kleinen Häuschen untergebracht ist. Also alles in allem eine hübsche Ecke. Es hat mich sehr an den Hafen in Thessaloniki erinnert.

Als es dunkel war, bin ich auf dem Heimweg noch im Chinatown hängengeblieben. Dort habe ich eine Kleinigkeit gegessen und bin dann noch ein bisschen durchs Viertel gestromert. Da habe ich sehr viele kleine Lädchen, Bars, Cafés entdeckt. Leider hatten sie schon zu. Im Hotel bin ich recht schnell eingepennt, man merkt doch immer, dass die Anspannung während der Schulzeit in den Ferien von einem abfällt.

Am nächsten Morgen bin ich sehr spät aufgewacht – mein Frühstück war schon vorbei. Ups. Naja, passiert. Es hat in einer Tour geregnet und ich hab dann ganz entspannt erstmal geduscht und mir überlegt, was ich so machen will an so einem regnerischen Tag. Ich habe mich auf die Suche nach einem schönen Café gemacht, um etwas zu essen. Natürlich bin ich fündig geworden – Kobe hat viele schöne Ecken und das Café „Modernark“ ist eine davon. Im Grunde ist das ein superschönes Haus, das aus Holz und Glas gebaut ist, fast schon altbaumäßig, oben ist ein nachhaltiger Shop, in dem auch eine Second-Hand-Ecke zu finden ist. Unten drin gibt es ein Café, in dem vegetarische und vegane Speisen verkauft werden. Das ist tatsächlich eine Seltenheit in Japan. Dort habe ich dann mein Mittagessen eingenommen und ein bisschen gelesen. Was es in Japan ganz häufig gibt, sind so Sets beim Essen. Man kann dann beispielsweise ein Set aus einem Essen, einem Nachtisch und einem Getränk bestellen zu einem günstigeren Preis. Allerdings sind die Auswahlmöglichkeiten dann begrenzt. Meistens ist das nicht so schlimm, denn diese sind gut! Aber: Ich habe manchmal Lust auf ein anderes Getränk und bestelle das dann auch. Das kapieren die Kellner*innen oft aber nicht, deshalb wird man dann auf ein Set verwiesen, frei nach dem Motto: Da sparst du ja Geld. 😀 Ja, ist nett gemeint, aber ich kann das schon selber entscheiden. Meistens kapiere ich das aber erst hinterher und will dann nicht nochmal etwas bestellen. Irgendwie ist das hier anders als in anderen Ländern.

Nach meinem Veggie-Hummus-Burger bin ich in die kleinen Lädchen gestürmt und hab ein paar richtig schöne Sachen gefunden. Man braucht ja schließlich Andenken. Und ich habe eine Mega-Entdeckung gemacht: In einem Laden habe ich „Caprice“ gefunden! Das sind die griechischen Waffelröllchen, die ich gefühlt allen aufdränge. Natürlich sind das ganz ganz kleine Döschen – japanisch halt! 🙂

Weil auch Kultur nicht zu kurz kommen darf, habe ich mich auf den Weg ins Stadtmuseum gemacht. Leider ist dort alles auf Japanisch und ich habe ehrlich gesagt auch nicht so ganz verstanden, worum es in der Ausstellung ging. Ich hatte die Hoffnung, dass ein bisschen Stadtgeschichte aufgezeigt wird, aber die Dauerausstellung war leider zu. Egal, ein bisschen muss man die Museen ja auch unterstützen. Einen Besuch lohnt dieses Museum aber nicht. Weil das Wetter sich in der Zwischenzeit gebessert hatte, bin ich schnell noch zum Sorakuen-Garten spaziert und habe mir die Gartenanlage dort angeschaut. Es war wunderschön – Parks und Gärten, das kann Japan! Eigentlich könnte man hier eine Tour machen und nur solche Gärten bestaunen. Ich bin da herumspaziert und habe einfach die Ruhe in der wuseligen Stadt genossen. Momentan ist es ja fast überall recht ruhig, aber wenn hier Normalbetrieb herrscht, dann kann ich mir vorstellen, wie alles überlaufen ist. Also irgendwie auch eine besondere Situation. Einen Regenbogen habe ich auch gesehen, der Tag war quasi perfekt! 🙂 Abends habe ich noch in einem kleinen Burger-Restaurant gegessen und bin dann noch zu Caro und Henning ins Hotel, die heute in Kobe angekommen sind. Wir haben einen Absacker genommen und uns für Kyoto wieder verabredet. Ich habe im Hotel noch schnell eine Reservierung für ein Menü mit Kobe-Fleisch gemacht, weil man das ja nicht verpassen sollte, wenn man schonmal in Kobe ist.

Am nächsten Morgen bin ich ganz früh aufgestanden, hab gefrühstückt und bin zum Ikuta-Schrein gelaufen, nachdem ich meine Sachen gepackt und an der Rezeption abgegeben hatte. Das Wetter war super, Sonnenschein pur! Also bin ich ein bisschen durch den Park um den Schrein herum spaziert und habe anschließend das westliche Viertel Kitano angeschaut. Dort habe ich in einem kleinen Antiquitäten-Mix-Laden zwei sehr schöne alte japanische Becher gekauft. Der Inhaber konnte ein bisschen Englisch und war so freundlich, dass er mir alles genau gezeigt und erklärt hat. Er wollte auch wissen, was ich in Japan mache. Die Leute in Kobe sind irgendwie ganz anders als die in Yokohama. Viel offener und freundlicher.

Mittags habe ich mich zu meinem Kobe-Menü eingefunden. Die erste Kunst bestand darin, das Restaurant zu finden. Aber es hat dann irgendwie doch geklappt. Das Kobe-Plaisir wurde mir im Lonely Planet empfohlen und ich hatte auch einen guten ersten Eindruck. Erstmal saß ich ganz alleine an der Theke – ein Kellner, der Englisch sprach, kümmerte sich um mich. Er hat mir sogar ein Lätzchen umgebunden, das hätte ich wohl noch alleine hinbekommen. 😀 Das Menü bestand aus sechs Gängen. Es war superlecker. Allerdings hat das Steak mich nicht so umgehauen wie alle es prophezeit haben. Wahrscheinlich hätte ich ein noch teureres Stück wählen müssen. Aber es war trotzdem alles sehr lecker. Zum Nachtisch durfte ich die Location noch wechseln. Sehr fancy, das Ganze…

Fazit zu Kobe: Eine tolle Stadt, das Hafengefühl macht etwas mit einem. Da Kobe auch die Stadt des Jazz ist, ist hier sicher noch eine ganz andere Stimmung, wenn nicht gerade Corona die Welt im Griff hat. So war es ziemlich ruhig, aber ein guter Start, um die Stadt ein bisschen zu erkunden. Kobe ist sehr westlich orientiert, an jeder Ecke entdeckt man europäische, oft auch deutsche Einflüsse. Ich würde auf jeden Fall wiederkommen, wahrscheinlich aber zu einer anderen Jahreszeit! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: