Kyushu – von Onsen …

Endlich! Die Reise nach Kyushu kann beginnen! Ich hatte kaum geschlafen und war völlig fertig, als der Wecker mich in aller Frühe aus dem Bett geklingelt hat. Da Tina und ich beschlossen hatte, nur einen Koffer auf die Reise mitzunehmen, habe ich meinen Kram in einen Rucksack und eine IKEA-Tasche gepackt. In der Bahn haben mich alle schräg angeschaut, aber hier gibt es wahrlich nichts, was es nicht gibt. Am Flughafen Tokyo Narita haben Tina und ich uns getroffen und den Koffer erstmal fertiggepackt. Schon besser! Nach einem Kaffee bei LAWSON sind wir zum Boarding und es konnte losgehen nach Nagasaki! Der Flug verlief ohne Komplikationen und wir beide haben die meiste Zeit geschlafen. Ich war in Nagasaki immer noch völlig neben mir, aber es hat schon alles gepasst. Im Hotel angekommen konnten wir unsere Sachen erstmal ohne Check-In ablegen und haben uns direkt auf den Weg in die Stadt gemacht. Erstmal Kaffee! Tina und ich haben uns im Flieger erst darüber unterhalten, dass ich Tier-Cafés mega seltsam finde. Und wo landen wir? In einem Hunde-Café mit lauter Pudeln. Einer hatte einen totalen Knacks, der ist immer im Kreis gelaufen und hat sich manchmal voll gegen die Stufe oder die Wand geknallt. Richtig übel… Nach dem Café sind wir ins Stadtmuseum spaziert. Leider hat es geregnet, aber für Museum ist das ja nahezu perfektes Wetter. Das Museum hat uns viele Eindrücke zur Stadt und ihrer Entstehungsgeschichte vermittelt. Es war eine wahre Freude! Der Museum-Shop war auch ganz ergiebig! 🙂 Als nächstes sind wir ein bisschen durch den Regen spaziert und haben den nahegelegenen Schrein besichtigt, Es war schon fast dunkel, aber trotzdem superschön. Von dort oben hatten wir einen tollen Blick auf die Stadt. Wir sind am Fluss entlang an den schönen alten Brücken vorbeigegangen – die Steinbrücken sehen aus wie die in Zagori in Griechenland. Habe mich aber nicht nur deshalb direkt wohlgefühlt. Nagasakis Flair ist einfach einzigartig!

Da wir auch noch ins Hotel einchecken mussten, haben wir das ganz schnell hinter uns gebracht. Das Bett war ganz schön schmal, also wollten wir ein größeres oder zwei Betten haben. Wieder runter an die Rezeption, neuen Schlüssel holen, Differenz zum neuen Zimmer bezahlen. Endlich konnten wir mal kurz chillen. Das Abendessen haben wir in einem Izakaya eingenommen. Es war wirklich alles köstlich – lauter japanische Leckereien! Wir saßen am Thresen und hatten einen fabelhaften Blick über die Küche und die anderen Gäste. Pappsatt und glücklich haben wir ein bisschen verzweifelt nach einer netten, geöffneten Bar gesucht. Aber ohne richtiges Glück. Alles war wegen Corona zu… Aber eine Studi-Bar hatte auf und der Typ hat uns sehr künstlich schmeckende Sours gebracht. Egal, es war lustig, die ganze Zeit liefen Greenday-Videoclips über YouTube an der Wand. Völlig übermüdet sind wir wieder ins Hotel und ab in die Heia!

Am nächsten Tag stand ein intensives Programm auf dem Plan. Nach einem schnellen Frühstück im Café nebenan sind wir losgedüst zum Atombomben-Museum Nagasaki. Das Museum ist toll aufgebaut – man geht erst einmal eine Art Spirale runter ins Gebäude und an den Wänden stehen die Jahreszahlen. Man läuft sozusagen in die Vergangenheit und wird dort am Ticketschalter empfangen. Von da geht man weiter in die Ausstellung, die damit beginnt, das geschäftige Treiben und den Alltag der Menschen in Nagasaki darzustellen. Jeden Tag, zum Zeitpunkt der Explosion, um 11.02 Uhr, wird der Opfer gedacht – eine stehengebliebene Uhr zeigt die exakte Uhrzeit an. Das Museum ist meiner Meinung nach ein sehr schön aufgebautes kleines, aber sehr wichtiges Museum. Es ermahnt uns, uns mit der Geschichte auseinanderzusetzen und so etwas nicht noch einmal passieren zu lassen. Der Schwerpunkt des Museums ist „Nie wieder!“ – Die Eingangshalle und manche Ecken sind voller Origami-Kraniche, die symbolhaft für Glück, Zusammenhalt und Frieden stehen. Im Museumscafé haben wir uns kurz gestärkt und über das Museum gesprochen. Anschließend sind wir weiter zum Epizentrum der Explosion und in den Friedenspark. Das Wetter war sehr frühlingshaft, fast 20 Grad! Die Statuen im Friedenspark sind sehr beeindruckend und man geht automatisch in sich und reflektiert das historische Ereignis. Tina und ich waren beide beeindruckt vom Museum und seiner Botschaft – im Grunde ist das die Botschaft der ganzen Stadt. Man spürt wohl auch deshalb die Offenheit der Menschen häufiger und anders als hier in Tokio/Yokohama.

Nach dem Kulturprogramm sind wir am Meer entlang spaziert und haben uns auf den Weg zum Mount Inasa gemacht. Tina hatte ein bisschen Angst, dass wir den Sonnenuntergang verpassen und ist voll losgehechtet. Ich hab mich nicht mehr eingekriegt. 😂 Letztendlich hätten wir es auch ohne Stress geschafft, aber was solls. Wir sind mit einer Seilbahn hochgefahren und haben dort den Sonnenuntergang bei Cidre und Castella (ein sehr leckerer, einfacher Kuchen!) genossen. Lustig war, dass alle Leute auf der Seite zum Meer hin standen, weil dort die Sonne unterging. Kaum war sie weg, sind alle auf die andere Seite gesprintet, um dort den Blick auf die Stadt zu erhaschen. Zu geil! Da oben wurde es auch ganz schön kalt, nachdem die Sonne verschwunden war. Schließlich hatten wir auch genug Fotos geschossen, um uns zum Abendessen in das Restaurant zu begeben, das einen fabelhaften Blick auf die Stadt gewährt. Die Aussicht auf Nagasaki bei Nacht gehört zu den Top 3 der Welt, angeblich. Auf jeden Fall lohnt es sich, besonders weil man auch aufs offene Meer schauen kann und die Aussichtsplattform draußen und nicht hinter Glas ist. Zurück ging es wieder mit der Seilbahn. In der Bahn habe ich beschlossen, ein bisschen früher auszusteigen und noch einen kleinen Spaziergang an den Brücken vorbei zu machen. Im Wasser stand ein riesiger Vogel, der mir aussah wie ein Kranich. Erst dachte ich ja, es sei eine Statue. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass er gar nicht mehr lebt. Und irgendwann hat er seinen Kopf dann doch noch bewegt. Trotzdem weiß ich immer noch nicht, was für ein Vogel es nun wirklich gewesen ist!

Für den nächsten Tag hatte Tina ein Auto gemietet – wir wollten nach Unzen-Onsen fahren, einem kleinen Bergort auf Kyushu. Mit der Fahrt hat alles wunderbar geklappt, Tina hat das Fahren übernommen, weil ich momentan hier keinen Führerschein habe. In Unzen angekommen, haben wir eine Pause in einem ziemlich süßen Café eingelegt und uns gestärkt für die bevorstehende Wanderung im Nationalpark. Die Aussicht war so schön, schade, dass es so diesig war. Aber das Wetter war erstmal sehr vielversprechend. Wir sind bei strahlender Sonne rauf zum Berg gewandert, bis das Wetter ein bisschen umgeschlagen ist. Auf einmal pfiff ein Wind uns um die Ohren, das war ganz schön abgefahren, wenn man bedenkt, dass wir auf einem Bergkamm herumgelaufen sind. Wenigstens hat es nicht geregnet! Die Wanderung war aber sehr schön und hat unglaublich gutgetan! Nach einem kurzen Stopp bei den heißen Quellen, die einfach aus dem Boden blubbern und streng nach Scwefel stinken, sind wir in einen nahegelegenen Onsen gefahren. Ich war bis dato noch nie in so einem Onsen drin, aber dieser Onsen war als Premiere wunderbar! Er war sehr alt und klein. Das Besondere daran war für mich aber die Stimmung – nach uns kam eine Horde von Japanerinnen rein, Großmutter, Mutter, Töchter/Enkelinnen, wahrscheinlich auch eine Tante. Das war so natürlich und schön! Tina und ich haben uns gefühlt wie in der Antike. Das war ein wirklich tolles Erlebnis. Es hat auch nach der Wanderung im kalten Wind einfach aufgewärmt!

Was ist ein Onsen überhaupt? Onsen sind heiße Quellen, die in Bäder geleitet werden. Will man in einem (auf Deutsch: öffentlichen Großbad) Onsen baden, muss man sich erstmal nackt ausziehen und dann ausgiebig waschen mit Seife und allem drum und dran. Erst danach darf man in die Heilquellenbecken. Das heiße Wasser wird aus den Quellen direkt in die Bäder geleitet und weil sie voller Mineralstoffe sind, nutzen die Japaner*innen sie seit Ewigkeiten zur Entspannung. Onsen sind aber auch Großbäder, was bedeutet, dass viele Menschen eben auch zum Duschen und Austausch hingehen.

Wir sind nach dem Onsen-Erlebnis wieder zurück nach Nagasaki gefahren, um das Auto rechtzeitig abzugeben. Im Auto haben wir alte japanische Musik im Radio gehört – perfekte Abrundung des Ausflugs! In Nagasaki waren wir Tonkatsu essen und sind danach halb tot ins Bett gefallen.

Am 30.12. mussten wir früh aufstehen, haben ausgecheckt und sind zum Busbahnhof gefahren. Den haben wir allerdings nicht gefunden, also musste ein Japaner vom Info-Service uns den Weg zeigen. Er hat das sehr ernst genommen und uns dorthin begleitet. Zum Glück, denn ohne ihn hätten wir heute noch den Busbahnhof gesucht. Während Tina die Tickets geholt hat, musste ich mir noch schnell ein kleines Frühstück im Konbini besorgen. Ich hab alles entspannt geschafft, aber die Japaner*innen waren schon ganz aufgeregt, wo ich wohl abgeblieben sei. Tina hat mir hinterher erzählt, dass sie mich sogar ausgerufen haben. 😅 So richtig entspannt sind sie irgendwie nicht. Egal, es hat alles geklappt und wir sind vier Stunden mit dem Bus über die Insel nach Beppu gefahren, in die dampfende Stadt. Die Fahrt war sehr komfortabel. Wir haben zwei Pausen eingelegt, die Sitze waren einzeln, also in drei Reihen nach vorne aufgereiht. Alle hatten eine Decke und eigene Puschen. Sehr japanisch. Der Bus hielt zudem noch direkt vor unserem Hotel – das war der absolute Luxus! Im Hotel konnten wir wieder unser Gepäck ablegen und nach einem kurzen Erfrischer sind wir schon los in Richtung „Höllen“. Unterwegs einen kleinen Stopp im Café eingelegt und dann mit dem Bus zu den heißen Quellen. Die sind in Beppu sehr touristisch angelegt, aber trotzdem war es beeindruckend. Die Becken haben aufgrund der unterschiedlichen Mineralien bestimmte Farben und blubbern fröhlich vor sich hin. In Beppu gibt es die meisten heißen Quellen und unzählige Onsen-Bäder. An gefühlt jeder zweiten Ecke gibt es frei zugängliche Fußbäder, in denen man seine Füße mal wieder aufwärmen muss, um sich nicht den Ast abzufrieren. Alles in allem also ein Oma-Paradies für Kuraufenthalte! Das Wetter war allerdings schlimm: Es war eisig kalt und hat geschneit! Das hatten weder Tina noch ich erwartet.

An der ersten „Hölle“ war es sehr touristisch – leider. Aber trotzdem cool. Wir konnten heißes Wasser direkt aus der Quelle trinken und uns die Füße aufwärmen im Fußbad. Es gab geschwefelte Eier, die in dem Quellwasser gekocht werden. Und so Dampfküchlein mit Matcha. Sowas Leckeres! Aber es war einfach trotzdem eiskalt. Die Blubberquellen haben unterschiedliche Farben aufgrund der enthaltenen Mineralien. Ich habe so etwas noch nie gesehen vorher. Und in der ganzen Stadt stinkt es ordentlich nach Schwefel. Ich kam mir vor wie auf ner Kur. 😀 Weil uns so kalt war, wollten wir zum Sandbaden und uns da in warmen Sand einbuddeln lassen. Leider hatte es zu. Allerdings mussten wir ohnehin einchecken und sind dann im Hotel in den Onsen, wo wir uns schön aufwärmen konnten. Zum Abendessen haben wir uns ein Teppanyaki-Restaurant ausgesucht. Das war schon ziemlich lecker, aber wir haben sooooo nach Fett und Rauch gestunken, als wir da wieder raus sind. Schlimm! Total erledigt vom Tag und von der Kälte sind wir wie Steine ins Bett gefallen.

Der nächste Morgen begann entspannt. Ich hatte uns ein Café rausgesucht, das“Othello“. Ein deutschsprachiger Schweizer hat uns da bedient, es war superlustig. Raffael studiert in Beppu und lebt da schon ne ganze Weile. Er hat uns eine südafrikanische Freundin vorgestellt, Thato, die uns dann zu einer Silvester-Party eingeladen hat. Witzigerweise war die Party in einem Irish Pub bei unserem Hotel um die Ecke. Abendplanung stand also fest. Wir sind dann aber weiter zu den nächsten Höllen, weil wir ja noch ein bisschen was sehen wollten. Leider fuhr der Bus nicht, weshalb wir laufen mussten. Das hat schonmal echt ewig gedauert. Aber letztlich sind wir da angekommen. Wieder ganz touristisch, die Ecke. Aber das Wasser war diesmal dunkelrotbraun. Faszinierend! Bei jeder Quelle muss man einen kleinen Eintritt zahlen, aber bei der letzten haben wir es irgendwie nicht geschnallt und sind einfach so reingelaufen. Das war aber auch cool, weil das ein Geysir ist, der alle Stunde mal in die Höhe schießt mit sehr heißem Wasser. Ich bin immer noch ganz eingenommen von diesem Naturspektakel! Anschließend sind wir weitergezogen und haben es tatsächlich geschafft, uns in den heißen Sand einbuddeln zu lassen. Das tat vielleicht gut! Mit Blick aufs Meer – es war richtig cool und entspannend. Wir bekamen vorher eine Yukata, eine Art Baumwoll-Kimono, die uns vor der Hitze schützen sollte. Nach dem Sandbad ging es unter die Dusche und dann in ein kleines Onsenbecken, wo man sich kurz nochmal erholen konnte. Danach haben wir uns einen leckeren Ramen genehmigt, das tat nochmal gut, denn leider waren die Temperaturen immer noch richtig weit unten. Wir wollten dann noch zu einem Aussichtspunkt, den wir erstmal nicht gefunden haben, als wir dann oben waren, war es leider schon dunkel. Aber trotzdem schön! Von da aus sieht man normalerweise die ganze Stadt dampfen – so verrückt! Wir haben Schokolade gefuttert und den Moment einfach genossen. Und weil es Pflicht ist in Beppu, sind wir anschließend in einen sehr modernen und riesigen Onsen spaziert. Das war der Hammer! Lauter abgefahrene Becken – in einem konnte man sich unter so Wasserstrahle legen und sich massieren lassen.

Es war dann natürlich schon ziemlich spät und wir wollten ja noch auf die Party gehen. Leider fuhr wieder kein Bus und wirklich alle Taxen sind an uns vorbeigefahren. Also sind wir ne Stunde ins Hotel gelaufen. Unterwegs gab es noch ein Wegbier. Wir haben Musik von Tinas Handy gehört, sehr gute Stimmung am Altjahresabend. Im Hotel haben wir uns schnell fertiggemacht, haben ein Glas Sekt getrunken und sind dann los zum Pub. Dort haben wir lauter nette Leute kennengelernt. Alles Ausländer, verbunden in Japan. Leute aus Indien, Norwegen, Nepal, São Tomé, Irland, USA, Südafrika und ein Japaner! Es war wirklich eine lustige Party. Kurz nach halb eins war die Party allerdings zu Ende, weil der Alkoholausschank vorbei war. Wir wollten dann auch gehen, der Inhaber der Bar meinte aber, wir sollten noch bleiben, denn er wolle noch eine Flasche Sekt öffnen und wir dürften mit anstoßen. Was für eine Ehre! 🙂 Wir haben uns natürlich sehr gefreut, uns wie VIP gefühlt und waren noch ein Stündchen da. Auf dem Heimweg mussten wir uns etwas Essbares im Konbini besorgen, weil wir ja noch gar nichts gegessen hatten. Fürs Silvesteressen sind wir nämlich leider zu spät dran gewesen. Also noch ne Runde Snacks gefuttert und im Hotel mit unseren Familien telefoniert. Das war ein sehr schöner Start ins Jahr 2021!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: