Drei Wochen im Schnelldurchlauf

Die Wochen verfliegen hier nur so. Der Alltag ist halt so wie immer. Schlafen, Aufstehen, Schule, Heimkommen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Manchmal schaffe ich es auch, etwas zu unternehmen, aber eher so Highlights wie Supermarkt oder so. 😅

Der Lehrer*innenbeirat hat nach der GLK einen Glühwein-Umtrunk fürs Kollegium organisiert und das war auch seit Langem die erste Veranstaltung, die wir gemeinsam hatten. Kurz vorher war uns verkündet worden, dass die Abteilungen sich ab jetzt voneinander fernhalten sollen – wegen Corona. OK, also nach dem Umtrunk dann.

Ansonsten habe ich zwei Klassenarbeiten in Deutsch schreiben lassen, die wahrscheinlich wieder ewig rumliegen und auf Korrektur warten. Ich sehne den Tag herbei, an dem mir das Korrigieren nicht mehr so viel abverlangt. Aber ich glaube, der kommt nie!

Am Samstag war ich mit Caro, Henning, Toshi und Pichaya in Tokyo im Nezu-Museum, was ein wirklich tolles Museum ist! Es hat einen wunderbaren Park und eine beeindruckende Sammlung ganz alter japanischer und ostasiatischer Kunstwerke. Wir hatten Glück mit dem Wetter, darum sind wir zuerst im Park flaniert und haben anschließend das Museum besichtigt. Ich finde, es ist eine Oase inmitten der hektischen Metropole, man rechnet irgendwie nicht damit, dass sich an dieser Ecke ein so schöner Ort befindet.

Und schon stand der erste Advent vor der Tür! Verrückt! Ich war mit Florian im Gottesdienst in der Kreuzkirche in Tokio. Unsere Kollegin Bettina teilt sich mit ihrem Mann Marcus die Pfarrstelle dort. Sie sind mit ihrem jüngsten Sohn hierher gekommen, er besucht unsere Schule und ist in meinem Latein-Unterricht. So eine coole Familie! Ich habe schon lange kein so wohliges Gefühl in einem Gottesdienst empfunden – das ist wirklich ein Zeichen. Wir haben einen Open-Air-Gottesdienst gefeiert, weil man am ersten Advent unbedingt etwas tun muss: SINGEN! Und es war so berührend und befreiend zugleich. Bin direkt Mitglied in der Gemeinde geworden. 😁

Anschließend wollte ich in der Stadt ein bisschen herumspazieren und ein Viertel unsicher machen, aber Bettina lud mich zum Kaffee und Plätzchen ein – das war ein so schöner Tag! Wir haben uns total verquatscht und über Gott und die Welt geredet. Am späten Nachmittag bin ich noch ein bisschen am Wasser herumspaziert und wollte etwas essen gehen, unterwegs bin ich beim What-Café gelandet und mir spontan eine Pop-Up-Ausstellung angesehen. Eine Künstlerin war vor Ort und hat mich direkt angesprochen. Mit dem Übersetzer sind wir irgendwie klargekommen und haben Nummern ausgetauscht. Sie hat tolle Bilder gemalt, überhaupt war das ein so cooler Moment, in diesem Café rumzuhängen und fancy Kunst anzustarren. Ich bin danach nebenan noch was essen gegangen – ich muss sagen, es hat was, alleine in einem Restaurant zu sitzen, Wein zu trinken und ein bisschen zu lesen. Der Tag war wunderbar und ich konnte keinen besseren Abschluss der Woche finden.

Die darauffolgenden Woche war wieder Alltag pur – bis auf die Tatsache, dass der Lehrer*innenbeirat den Vorstand kennenlernen durfte. Die zwei Gremien hatten ein Meet & Greet morgens um 7 Uhr. Ich bin immer noch nicht so sicher, was ich von der ganzen Institution hier halten soll, aber naja. Interessiert auch keinen. Fakt ist, es geht immer und immer ums Geld. Und das ist der absolut falsche Weg für eine Schule. Aber was weiß ich schon…

Freitag nach der Schule war ich bei Nives und wir haben zusammen Teig fürs Plätzchenbacken vorbereitet. Besser gesagt: Ich habe geknetet und Nives war für den kleinen Tom zuständig. Nives und ihre Familie finde ich auch super – die sind nicht so überkandidelt und essen einfach auch mal bei McDonalds 😂. Und leben auch noch super damit! Ich bin echt froh um Nives, weil wir uns so gut verstehen und uns nicht immer rechtfertigen müssen, wenn wir uns über irgendwas aufregen.

Samstag haben Nives und ich uns mit unserem Riesenteig nach Tokio zu Bettina aufgemacht – sie hat nämlich einen Ofen und so konnten wir Plätzchen backen. Es hat so einen Spaß gemacht – wir haben superviel gelacht und ungefähr zwei Tonnen Plätzchen am Ende gehabt. Bettina und ich waren abends noch zusammen was essen, das hatte ich ihr zum Geburtstag geschenkt und deshalb wollten wir das nicht so auf die lange Bank schieben.

Sonntag war ich wieder in der Kirche und habe mich anschließend spontan mit Lisa in Togoshi-Ginza getroffen. Das ist eine 1,3 km lange Straße, die von kleinen Lädchen und Streetfood-Ständen gesäumt ist. Lisa und ich waren in ein paar Second-Hand-Shops, haben einen voll niedlichen Töpferladen entdeckt, Süßkartoffeln und Takoyaki gefuttert, das sind Teigbällchen mit Tintenfisch drin, obendrauf kommen eine Soße, Mayonnaise und Thunfischflocken. Wir haben nachmittags noch schön gemütlich einen Matcha-Latte getrunken und Kuchen genascht. Das Beste war aber wirklich, dass es so spontan war. Ich mag sowas eigentlich am liebsten.

Zu Hause habe ich mich noch tierisch aufgeregt, weil mal wieder jemand verpeilt hat, dass nachmittags eben nicht nur AGs liegen, sondern auch Latein. Es sollte ein Volleyball-Turnier stattfinden. Ich habe davon nur zufällig durch Lisa erfahren, weil sie auch davon betroffen ist. Habe dann erstmal ne gepfefferte E-Mail verfasst, weil es so respektlos ist, wie man immer so über die Schüler*innen drüberbügelt. „Ups, ich habs voll verpeilt, dass da Latein ist!“ – das ist immer die Ausrede, und: „Es war schon Freitag und ich habe es nicht mehr auf dem Schirm gehabt, dass da noch Latein ist.“ Ja, guess what! Ich bin die, die zu der Zeit dann noch ein schwieriges Fach unterrichtet und immer bis um 16.25 Uhr in der Schule abhängt, auch am Freitag. Aber hey, ist ja auch egal. Nächstes Mal komme ich einfach nicht und sage einfach: „Ups, vergessen, dass da Latein liegt.“ Das Problem war halt, dass ich eine Klausur angesetzt hatte. Somit hätte mein Kurs schonmal nicht beim Turnier mitspielen können. Was total unfair ist. Aber es sind ja nur die Leute, die Latein haben…

So ein Heckmeck immer. Letztlich haben die Schüler*innen, die das Turnier organisieren sollten, sich bei mir entschuldigt, aber eigentlich ist das nicht deren Schuld. Und bei mir hätten sie sich auch nicht entschuldigen müssen. Wie auch immer, das Turnier wurde letztlich abgesagt bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, weil einfach zu viele Dinge unklar waren.

Und wieder eine neue Woche voller alltäglicher und auch anstrengender Dinge – zwei Konferenzen standen bevor. Momentan ist jede Woche mindestens eine Zusammenkunft von irgendwelchen Gremien und Gruppen. Das ist unglaublich kräftezehrend und ich habe gerade einfach nur noch den Wunsch nach Ferien. Am Mittwoch nach der Sek-Konferenz habe ich ein paar Kolleg*innen zu mir eingeladen zum Glühwein-Trinken und Plätzchen essen (deshalb zwei Tonnen davon!) – der Abend war so entspannt und schön, hat richtig gutgetan nach der stressigen Phase.

Zudem stand der erste Abschied bevor: Ein Schüler aus meiner 7b sollte mit seiner Familie nach Jahren in Japan wieder zurück nach Deutschland und deshalb haben wir gemeinsam ein Buch für ihn gestaltet, in das jede*r etwas für ihn reinschreiben konnte. Das haben die Kids ihm dann am Freitag in der Klassenlehrerstunde übergeben. Die Stunde war sehr weihnachtlich geprägt und wir habe noch zusammen Werwolf gespielt. Nach der Schule sind Lisa, Tina, Nives mit Family und ich zusammen in die Treasure Factory gefahren, aber irgendwie kam nicht so recht Stimmung auf. Also waren wir einfach noch zusammen essen in einem Izakaya bei uns an der Station.

Am Samstag war ich mit Tina in Asakusa unterwegs, das ist das Viertel, in dem die Kappabashi Street liegt, und das ist die Straße, in der es alles für die Gastronomie und den Privatgebrauch gibt, was mit Küche zu tun hat. Wir waren aber erst gemütlich am Fluss in einem Café und sind dann entspannt weiter in Richtung Messerkauf. Wir beide wollten uns japanische Messer zulegen, haben aber auch noch tausend andere Dinge gekauft. Abends waren wir noch was essen und sind dann irgendwann nach Hause zurückgefahren. Der Tag war so super, weil das Wetter toll und die Stimmung fabelhaft war. Begleitet wurden wir vom Blick auf den phänomenalen Skytree.

Sonntag habe ich mich mit Henning, Caro und Joy in Roppongi getroffen, um die Ausstellung „Double Fantasy – John & Yoko“ zu besuchen. Joy hatte freie Tickets und das war ne tolle Chance. Die Ausstellung war fantastisch! Und es ging tatsächlich um Yoko und John – nicht um die Beatles (nicht, dass das ein Problem gewesen wäre😅). Es war sehr berührend, die Geschichte der beiden so nachzuvollziehen. Am Ende der Ausstellung konnte man in einem kleinen Auditorium sitzen und den Videoclip zu „Imagine“ auf Leinwand sehen und den Song in Ruhe hören. In Dauerschleife. Dieses Lied macht mich immer so traurig und nachdenklich. Und man wird immer wieder neu dazu aufgefordert, sich mit allem, was einen umgibt, auseinanderzusetzen. Nach der Ausstellung waren wir noch bei einem Italiener in der Nähe essen – ich fand es total schön, Joy – auch eine Kollegin – besser kennenzulernen. Hoffe auf mehrere solcher Treffen!

Die letzte Woche vor den Ferien war auch wieder nur anstrengend- ich kam zu nichts, meine Korrekturen lagen schön auf einem riesigen Haufen. Zudem sollte eigentlich am Freitag ein schönes Weihnachtsessen fürs Kollegium stattfinden, aber das mussten wir kurzfristig absagen, weil im Kindergarten ein Corona-Fall aufgetaucht war und der Kindergarten damit erstmal dicht war. Was für ein Glück, dass die Ferien kurz vor der Tür standen. Das Essen war natürlich bereits vorbereitet, also sind wir alle mit Tupperboxen in die Mensa und haben uns unsere Portionen abgeholt. Was für ein erbärmliches Bild, ich sage es euch… 😂 Lisa, Catalina, Domi und ich haben noch gemeinsam in der Schule gegessen, weil wir nicht alleine essen wollten. Toller Ferieneinstieg – nicht. Wir waren alle so müde, dass wir nur noch entspannen wollten. Ich war mit Tina, die noch Besprechungen mit Schüler*innen hatte, kurz spazieren, habe mir in Center Minami ein paar Sachen für meine Küche geholt und bin dann heimgefahren. Schnell fertig machen und dann wieder los, zu Caro. Da haben wir – das heißt, Tina, Domi, Henning, Caro und ich – dann die Ferien begossen und uns einfach nur gefreut, dass wir endlich mal ausschlafen und den Schlafmangel bekämpfen können! Und zwar drei ganze Wochen lang!

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