Japanische Bürokratie, Urbanität und Naturschönheit

Offensichtlich hat es nicht geklappt, dass die rent-insurance-company, an die ich meine Miete zahlen soll, einen Bankeinzug einrichtet. Ich hatte mich schon gewundert, dass noch keine Miete abgebucht wurde, aber mich nicht weiter drum gekümmert. Nun hatten die mir wohl einen Brief geschickt, der aussah wie Werbung. Hab ich natürlich weggeworfen oder was weiß ich. 

Suzuki san (mein Makler) schrieb mir ne Mail, dass das alles nicht geklappt habe und ich bei einer Nummer anrufen solle. Gesagt, getan. Ich rufe da an, alles auf Japanisch. Irgendwie habe ich es hinbekommen, dass mir ne Übersetzerin in einer Telefonschalte alles übersetzt. Ich hab mich nur noch kaputtgelacht. Letztendlich musste ich dann die Miete für den letzten Monat am Bankautomaten bezahlen, allerdings geht das nur, wenn der Automat auf Japanisch eingestellt ist. Naja, jedenfalls hat es nicht geklappt. Suzuki san hat dann das Ganze in die Hand genommen und mit mir wie mit so einem Idioten alles gemacht. Einen neuen Antrag auf Bankeinzug habe ich auch gestellt. Der Knaller ist, dass meine Unterschrift nicht genau gleich aussah wie auf dem ersten Antrag und wie die bei der Bank. WHAT? Ich kann das irgendwie alles immer nicht so richtig glauben. Aber was will man machen. Die Miete habe ich dann wie alle meine anderen Rechnungen für Strom, Gas und Wasser am Konbini gezahlt. Das wäre von vornherein auch die einfachste Variante gewesen.

Am Montag musste ich auch noch meine japanische Handynummer bei der Bank hinterlegen, denn bis dato lief mein Konto auf die Telefonnummer der Schule. Das hat irgendwie mit Händen und Füßen auch funktioniert, aber ich gehe jedes Mal völlig fertig aus so einer Aktion raus.

Am Dienstag ist mir mal wieder Latein ausgefallen, weil die 11er ein Stressbewältigungsseminar hatten. Also habe ich mich auf den Weg zur Treasure-Factory gemacht, um endlich ein Sofa und ein Regal zu kaufen. Bin auch fündig geworden, da gibt es einfach auch zu schöne Möbel und überhaupt!

Die Schulwoche war aber sonst arm an Highlights. Ich hatte eine LBR-Sitzung und die Sprachförderung-AG hat sich auch zur Besprechung getroffen. Freitag fand der Vorlesetag für die Unter- und Mittelstufe statt. In der Klasse, die ich beaufsichtigt habe, war leider kein toller Vorleser, es war sehr monoton und die Schüler*innen sind mir fast eingepennt (ich auch :D). Sie haben Bilder gemalt und mir immer gezeigt, was sie da Tolles fabrizieren. 😀 

Samstag war aber dafür ein ganz wunderbarer Tag. Ich war mit einigen Leuten zum Wandern verabredet. Wir sind auf den Mount Jinba gewandert – das war so toll! Wir hatten phantastisches Wetter und Blick auf den Fuji. Ich war so im Glück – es ist unglaublich, wie faszinierend dieser Vulkan/Berg auf Menschen wirkt. Die Wanderung hat so gutgetan, das muss ich auf jeden Fall viel öfter machen – die Natur hier ist einfach unfassbar schön und vielfältig! Oben auf dem Berg gab es eine Soba-Suppe und Kaffee bei strahlender Sonne und Blick auf den Fuji. Wir saßen mitten zwischen japanischen Wandergruppen, die sich ihren Sake flaschenweise reingestellt hatten und uns aufgrund des etwas erhöhten Pegels auch trauten, uns anzusprechen. Die Stimmung war also super! Wieder im Tal angekommen, sind wir noch gemeinsam in ein kleines Tonkatsu-Restaurant eingekehrt und haben den Tag ausklingen lassen. Zu Hause erwartete mich eine Überraschung: Ein kleines Päckchen aus Deutschland von meiner Freundin Ellen. Drin war ein Adventskranz to go – perfektes Timing! Habe ich gleich schön auf nen Teller gepackt und freue mich auf das Anzünden der vier Teelichter.

Am Sonntag Vormittag wurden meine Möbel geliefert, was super war, weil ich mittags mit Caro Shimokitazawa unsicher machen wollte. Das ist ein tolles Viertel mit vielen Second-Hand-Shops und netten Cafés und Bars. Wir haben ein bisschen gebummelt und sind dann eigentlich nur noch von Bar zu Bar getingelt. Habe mir einen grünen Mantel in einem Second-Hand-Laden gekauft. Wir waren in zwei Galerien, in einer gab es lauter abgefahrene Glas-Sachen. Der Künstler fragte uns auf Deutsch, ob wir Deutsche seien. Ja! Er konnte Deutsch sprechen, weil er eine Zeit lang in Düsseldorf gelebt hat. In der zweiten Galerie hat ein Künstler uns ein paar seiner Werke erklärt. Das eine war eine Ananas – hab mich ja direkt verliebt in das gute Teil. Abends haben Caro und ich noch was zusammen gegessen und einen Absacker in der A-Bridge getrunken, einer Bar, die wirklich cool und studentisch aussieht und in der man sich mega urban vorkommt, wenn man da über den Dächern von Tokio seinen Gin Tonic schlürft. Auf dem Heimweg gab es wohl ein Erdbeben, das ich aber in der Bahn nicht mitgekriegt habe. Bin spontan noch bei Henning auf ein Bierchen eingekehrt – ein schöner Abschluss der Woche.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: