Kyoto – Matcha und Lebensfreude

Nach dem Urlaub auf Ishigaki waren die Ferien noch gar nicht zu Ende! Wir hatten nämlich zwei Wochen Herbstferien und natürlich muss die Zeit genutzt werden. Ich war ein paar Tage hier und habe meine Bude und mein Leben ein bisschen auf Vordermann gebracht. Sonntag habe ich mich mit Heiz getroffen. Er hat mir ein bisschen Minatomirai gezeigt, das ist das Viertel am Hafen Yokohamas, das recht neu angelegt ist. Das Wetter war phantastisch, bei schönstem Sonnenschein und Bubble-Tea sind wir am Hafen herumspaziert. Als wir auf dem Weg zum Abendessen waren, rief Heinz‘ Mutter ihn über Whats-App an. Sie sprach mit ihm Siebenbürger Sächsisch, ich habe sie auf Dialekt angesprochen (sie kennt mich natürlich auch, seit ich klein bin). Heinz war ganz verwirrt – er hat gar nicht damit gerechnet, dass ich den Dialekt auch noch spreche. 😀 Also ab jetzt immer nur noch auf Siebenbürger Sächsisch, um es nicht zu vergessen… Wer ist eigentlich Heinz? Er ist der Ex-Mann der ältesten Freundin meiner Mama – deshalb kennen wir uns quasi schon sehr lange. Der krasse Zufall ist nun, dass wir beide zeitgleich hier in Japan und dann auch noch recht nah beieinander in Yokohama leben und dass seine kleine Tochter Anna in die erste Klasse an der DSTY gehen soll(te). Heinz war vor einigen Wochen nach Deutschland geflogen, um alles für die Einreise seiner Frau und Tochter vorzubereiten, denn durch Corona wurde auch das zum Riesenproblem. Er hat mir netterweise ein paar Sachen aus Deutschland mitgebracht, z.B. eine deutsche Tastatur. Ich bin echt froh, dass ich jetzt am iPad ordentlich schreiben kann. 😀

Am Montag wollte ich dann gemütlich meine japanische Handynummer einrichten, aber das habe ich aus Chill-Gründen nicht geschafft. Ich war nachmittags mit Henning noch nen Kaffee trinken, das war mein Highlight des Tages. Am Dienstag habe ich es dann tatsächlich geschafft, eine Handynummer zu bekommen. Dafür bin ich nach Shibuya zu Bic Camera gefahren, hab die Filiale (ohne Google Maps) nach einer ganzen Weile gefunden, um dann zu einer anderen Filiale geschickt zu werden, die mich dann wieder zurückgeschickt haben. Der Knaller. Ich hab mich schon wieder gefühlt wie ein Vollidiot. Es hat dann aber alles doch geklappt und ich konnte endlich mal mit funktionierenden mobilen Daten selbstbestimmt durch Japan wandeln. Nachmittags war ich mit Henning und Domi schwimmen, die Halle war eiskalt, das Wasser auch, aber es war trotzdem cool. Anschließend sind wir in einem Izakaya verhockt und haben den Abend bei gutem Essen ausklingen lassen.

Mittwoch verbrachte ich den Tag mit Alex und Daniella, sie haben mir ihr Haus in Den-en-Chofu und das Viertel nebenan gezeigt. Jiyugaoka ist ein wunderschönes kleines Viertel mit netten Lädchen, guten Restaurants und Cafés. Zum Wohlfühlen halt. Bummeln, essen, Kaffee – das war der Plan. Ich hatte kurz vorher noch einer deutschen Familie in der Nachbarschaft der beiden einen Standmixer abgekauft und freue mich jetzt auf frische Smoothies. Abends habe ich noch schnell meinen Rucksack gepackt, denn am Donnerstag ging es endlich nach Kyoto!

In der Früh haben Domi und ich uns in Shin-Yokohama am Bahnhof getroffen, um uns noch mit Verpflegung für die Shinkansen-Fahrt einzudecken. Weil wir beide nicht so hungrig waren, haben wir uns verschiedene Onigiri geholt und sind gemütlich zum Gleis spaziert, um die Shinkansen bei der Ein- und Abfahrt anzuschauen. Ich bin jetzt nicht so ein begeisterter Zugfan wie Peter und Ferdinand, aber das ist schon beeindruckend. Die Züge sind superleise und sehen total elegant und edel aus. Zudem ist alles perfekt durchgetaktet. Der Zug kommt normalerweise ohne nennenswerte Verspätung an und fährt genauso schnell wieder raus wie er reinkommt. Es ist echt krass! Alle zehn Minuten oder so fahren die da durch.

Wir hatten super Plätze und konnten daher auch quatschen, was normalerweise nicht so gern gesehen ist in japanischen Zügen. 😀 Die Verbindung nach Kyoto ist der Hammer – superschnell und eine tolle Strecke, am Fuji vorbei!!! Ich bin jedes Mal verzaubert von der Schönheit des Vulkans, der mich so sehr an den Vesuv erinnert, den ich ja letztes Jahr vor Augen hatte. Der Bahnhof in Kyoto ist total riesig, ich habe mich tatsächlich am Ende auch mal kurz verlaufen. Von der Dachterrasse des Bahnhofs hat man einen tollen Blick auf den Kyoto Tower und die Stadt.

Nachdem wir unsere Rucksäcke eingeschlossen hatten, sind wir direkt losgelaufen ins Getümmel. Die Stimmung in Kyoto ist so besonders – die Leute sind nicht so robotermäßig wie in Tokio und ich hab mich irgendwie freier gefühlt. Wir sind in der Nikishi-Market-Street gelandet und haben dort Matcha-Eis gegessen und sind durch die Lädchen gestreift. Domi hat nen kleinen Tintenfisch am Stiel verputzt. Nach einer kleinen Shopping-Tour konnte Domi sich noch ne neue Hose zulegen und wir sind dann in Richtung Hotel gelaufen, um einzuchecken. Kyoto ist sehr groß (nicht so wie Tokio, aber das ist auch überirdisch riesig…), wir haben aber trotzdem alles zu Fuß zurückgelegt. Der Tag war schon toll, weil wir viele Eindrücke sammeln konnten und Bewegung hatten.

Nach dem Check-In sind wir wieder los und haben in einem Tempura-Izakaya zu Abend gegessen. Matcha-Bier gabs auch – es war seeehr lecker. Matcha ist Kyotos Ding, überall gibt es Matcha-Produkte und der Matcha ist ausgezeichnet. Nach dem Essen haben wir uns mit Caro und Henning getroffen, die schon einen Tag vor uns nach Kyoto gereist waren. Wir sind in einer netten Bar namens Fishbowl gelandet und haben ein paar Drinks zusammen genommen. Weil es so schön war, sind wir dann noch weitergezogen – auf Empfehlung des Barkeepers aus der Fishbowl. Auch da war es nice. Namen weiß ich leider nimmer…

Am nächsten Tag sind Domi und ich gemütlich aufgestanden und in ein Café, das Domi gefunden hatte, getigert. Dort habe ich Matcha-Latte getrunken, weil Matcha einfach nur toll ist. 🙂 Dann sind wir durch die Stadt gelaufen und haben uns treiben lassen. Am Fluss entlang erstmal direkt in ein Café mit Frühstück. Anschließend haben wir uns auf den Weg zum Kiyomizu-dera, einem riesigen buddhistischen Tempel, gemacht. Allein der Weg dorthin war toll – an kleinen Touri-Lädchen vorbei geht es einen Berg rauf und oben sieht man schon die tollen Farben des Tempels. Er sieht auf Bildern immer rot aus, ist aber eher knallorange. Wenn das Herbstlaub auch bunt ist, sieht das dann natürlich phantastisch aus. Wir hatten leider noch kaum Herbstfärbung, aber es war dennoch bombastisch! Mit einem schönen Blick auf Kyoto runter. Ich war ganz im Glück. Zum Mittagessen gab es lecker Ramen in einem schicken Ramen-Restaurant.

Was mir hier generell so aufgefallen ist, sind lauter Menschen, v. a. Mädchen und Frauen in Kimonos. Die kann man mieten und den ganzen Tag dann im zur Stadt passenden Outfit rumlaufen. Für mich käme das nicht in Frage, ich käme mir wie ein Trottel vor, aber es sieht bei den Japaner*innen sehr edel und schön aus. Überhaupt lebt Kyoto sehr von Kontrasten. Moderne trifft Tradition – das ist hier an jeder Ecke zu spüren und die Leute leben das auch.

Nach einem weiteren Kaffee-Stop in einem netten Café mit Blick auf den Kanal hat Domi sich noch schicke Sneakers zugelegt. Dank meiner Beratung natürlich… 😉 Abends haben wir Udon-Nudeln gefuttert und sind dann nochmal mit Caro und Henning zusammengekommen. Diesmal haben wir uns in einer Gin-Bar getroffen, die nur einen Tisch hat und sehr künstlerisches Ambiente hat. Die Cocktails sind alle sehr besonders mit eher merkwürdigen Zutaten, aber so lecker! Und jeder Drink wird in einem anderen Glas serviert, manche sind sogar richtige Antiquitäten. Einige Objekte hätte man auch kaufen können. Der Barkeeper hatte einen weißen Kittel an, wie so ein Chemie-Professor. Er hat in seiner Miniküche in liebevoller Komposition die Zutaten zusammengerührt und uns immer mit einer kleinen Info dazu kredenzt. Exzellent! Die zweite Bar war auch klasse, eher ein bisschen 20er-Jahre Style, Schummeratmosphäre und die Barkeeper hatten Zylinder auf und lustige Schnauzbärte. Auch hier fabelhafte Cocktails, ich hatte zwei verschiedene Matcha-Cocktails, die der Hammer waren! Die Drinks wurden uns sehr magisch serviert, mit viel Show und Rauch und so… Die beiden Barkeeper sind aus Frankreich, einer lebt schon ewig hier und der andere ist temporär in Japan.

Nach diesem legendären Abend haben wir uns tatsächlich alle gefragt, warum die DSTY nicht DSK heißt und in Kyoto steht?!?! Die Stadt ist der Knaller!

Am Samstag war aber leider schon der letzte Tag! Zum Glück fuhr unser Zug erst am Abend, das bedeutete, dass wir noch den ganzen Tag zur Verfügung hatten. Nach einem kleinen Matcha-Espresso im schönen Café um die Ecke haben Domi und ich uns getrennt aufgemacht und jeder für sich die Stadt nochmal erkundet. Ich wollte unbedingt ins MOMAK und habe mich auf dem Weg dorthin so gemütlich verzettelt, bin hier mal in einen Schrein, dort in einen Laden rein, es war toll. In einem Minischrein habe ich sogar ein paar Reiskekse geschenkt bekommen, als ich die Frau am Schalter fragte, ob sie mir die Shodo-Signatur des Schreins in mein Büchlein malt. Es war so tolles Wetter, dass ich möglichst viel draußen machen wollte. Drum bin ich am Kanal entlang gelaufen und habe ein kleines „Schmuckfenster“ entdeckt – einen kleinen Schmuckladen, den eine Frau in einem Erkerchen aufgebaut hatte. Mein Schmuckbestand wird hier kontinuierlich aufgestockt, denn es gibt wunderschöne Handarbeit hier! Habe viel Keramik-Schmuck entdeckt und es macht auch einfach Spaß, sich die Sachen anzuschauen.

Nach dem Museum habe ich mich mit Domi in einem wunderschönen Café getroffen, da haben wir ein bisschen verweilt und uns gemütlich auf den Rückweg zum Hotel gemacht, wo ich meinen Rucksack noch holen musste. Auf der Rückfahrt war der Shinkansen sehr voll, aber es herrschte gute Stimmung im Zug.

Fazit: Ich liebe Kyoto! Und ich würde da auch wohnen, ey. Unglaubliche Stadt und voller junger Leute, das Flair, das Nachtleben, die Kulturszene – ich werde auf jeden Fall noch einmal hinfahren!

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