Arbeitsalltag?!

Die zweite Schulwoche begann recht entspannt. Eigentlich wollte ich am Montag nach der zweiten Stunde endlich mein Konto eröffnen, denn da habe ich vier Hohlstunden, aber ich musste eine Vertretung machen. Ironischerweise für Kolleg*innen, die ein Konto eröffnet haben. Nun ja, danach hat die Zeit nicht mehr gereicht, weil man wirklich viel Zeit einplanen muss, um alle Behördengänge zu erledigen, denn die Behörden arbeiten hier seeeeehr genau. Dienstag fand der erste Elternabend der Sekundarstufe statt, wo wir Neuen uns den Eltern vorstellen mussten. Das war richtig panne, denn wir saßen in der Aula auf der Bühne oben wie die Hühner auf der Hühnerstange. Nacheinander sind wir nach vorne ans Mikro, vor uns ein“Spuckschutz“ (die Eltern saßen drei Meter weit weg mit viel Abstand im Zuschauerraum), der aus einem Holzrahmen und einer matten Folie besteht. Eigentlich eine lustige Konstruktion, aber naja. Corona ist halt allgegenwärtig und – wie Berenike neulich so schön sagte – „das fucking Unwort des Jahres!“ 😀

In der Schule herrscht strenge Maskenpflicht, aber die Kinder dürfen während des Unterrichts immerhin etwas trinken. (Wir natürlich auch!) Bei der Hitze, die immer noch herrscht, ist das auch total wichtig. Das Unterrichten mit der Maske empfinde ich aber trotz allem als unglaublich anstrengend. Ich habe ganz oft das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, vor allem, weil es noch so schwül und heiß ist. Momentan hoffe ich echt sehr, dass der Herbst bald kommt und die Luft klarer und frischer wird.

Mittwoch nach der 4. Stunde habe ich auch immer vier Stunden hohl, deshalb habe ich beschlossen, doch noch mein Konto zu eröffnen. Die Frau am Schalter sprach zum Glück Englisch – das ist hier tendenziell eine Seltenheit. Aber irgendwie hat alles so gut geklappt, dass ich nach einer guten halben Stunde mein Konto hatte. Die nette Bankangestellte hatte sich auch noch bei mir entschuldigt, weil es so lange gedauert hat. Ich war superfroh! Denn bei meinen Kolleg*innen am Montag hatte das drei bis vier Stunden gedauert, diesen Zeitrahmen hatte ich eigentlich auch eingeplant.

Anschließend bin ich schnell in einen Handyladen rein, weil ich dachte: jetzt biste schon mal hier, hast ein Konto, also kannst du direkt die Handynummer noch machen. Haha, Pustekuchen. Der Typ sprach wenigstens auch Englisch, aber er war ein bisschen genervt und wollte wissen, was ich möchte. Ich habe ihm mein Anliegen geschildert, woraufhin er meine Residence Card sehen wollte. Diese nahm er mit und kam zurück mit den Worten: „Yes, it’s real.“ WTF? Als ob ich nach Japan komme und mir so nen Ausweis fälsche. Letztlich bin ich ohne Nummer raus, weil ich angeblich ohne japanische Kreditkarte keine Handynummer bekomme. Ich weiß aber von Domi, dass das nicht stimmt, weil er auch noch keine besitzt und trotzdem beim gleichen Anbieter eine Nummer bekommen hat. Es ist wirklich anstrengend, weil man nie weiß, was einen erwartet. Deshalb verschiebe ich auch viele Behördengänge, weil ich Angst habe, meine Zeit zu verschwenden und unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen.

Abends fand ein weiterer Elternabend statt. Gleiches Prozedere wie am Dienstag. Durch diese Vorstellungsrunden, nach denen wir immer noch da saßen wie bestellt und nicht abgeholt, wurden die Tage noch länger als ohnehin schon. Ich war eigentlich erst gegen 20.30 Uhr zu Hause. Mein Stundenplan ist insgesamt leider nicht so toll, weil ich 13 Hohlstunden habe, die ich zwar nutzen kann, aber nach 16.30 Uhr, wenn mein Unterricht zu Ende ist, lohnt es sich gar nicht mehr, irgendwas zu unternehmen. Manchmal gehe ich noch was essen oder so, aber viel kriege ich nicht mehr hin, weil ich auch einfach müde bin nach so einem Tag. Aber ich hoffe, dass ich den Alltag bald verinnerlichen kann, momentan ist einfach alles viel und neu und die ganzen Eindrücke zu verarbeiten kostet unglaublich viel Kraft.

Donnerstag beginnt mein Schultag erst um 11.30 Uhr, aber dann ist er dicht. Ich unterrichte fünf Stunden, dazwischen habe ich eine Stunde Mittagsaufsicht. Also sechs Stunden am Stück. Danach habe ich meinen Japanischkurs. Die erste Stunde war lustig, weil die wenigsten irgendetwas blicken. Ich verstehe auch gar nicht, wie wir das lernen sollen. Wir lernen erst einmal die Hiragana Schriftzeichen und schreiben jede Woche einen Test darüber. SO KRASS! Ein bisschen stressig finde ich es schon, und leider habe ich bisher noch kein festes Zeitfenster, in dem ich Japanisch lernen kann. Mal sehen, wie ich hinbekomme. Unsere Lehrerin Tomoko ist supernett und hat eine Weile in Graz gelebt.

Freitag Vormittag wurde mein Internet installiert. Suzuki san (mein Makler) hat sich um alles gekümmert und ich bin einfach froh, dass es so schnell geklappt hat. In der Schule habe ich zwar WLAN, habe auch mal zwischendurch mit Micha in einem Klassenzimmer geskypt, aber das ist superseltsam 😀 Also endlich wieder Internet zu Hause. Jetzt kann ich Musik hören, Filme schauen und Zeitung lesen.

Am Samstag war ein Monteur da, der meinen Wasserhahn ersetzen sollte. Allerdings hatte er das Teil nicht mit. Er meinte, er melde sich nochmal. Mal sehen, ob und wann das passiert. Irgendwann so gegen Mittag saß ich am Tisch und hatte eine Tasse Tee in der Hand, als auf einmal ein kleines Erdbeben losging. Es dauerte nicht lange, aber es war abgefahren. Das ganze Haus hat gewackelt. Die Häuser hier sind wie in Kalifornien aus sehr dünnen Wänden und viel aus Plastik. Damit sie bei einem Erdbeben nicht gleich einstürzen, sind sie eben so konstruiert, dass sie einfach mitwackeln und sich anpassen. Deshalb sind die Leute hier auch recht entspannt, weil sie gut vorbereitet werden und wissen, wie sie sich verhalten müssen. Die meisten juckt es gar nicht mehr, wenn so ein kleines Erdbeben ist. Hier gibt es ständig welche, aber meistens kriegt man es gar nicht richtig mit, weil die sich auch manchmal so anfühlen, als würde ein Laster am Haus vorbeifahren oder Kinder nebenan rumhüpfen.

Nachmittags bin ich mit Flo, Jens D. und Kati zum Goethe-Institut nach Tokio gefahren, weil dort der Dokumentarfilm „Boys for Sale“ von Ian Thomas Ash über schwule Sexarbeiter gezeigt wurde. Lisa stieß noch dazu. Der Film war gut besucht und sehr interessant, aber auch ein bisschen oberflächlich. Trotzdem ein guter Einblick in die Subkultur der schwulen Sexarbeit in Tokio. Anschließend waren wir noch zusammen in einem kleinen mexikanischen Restaurant, das aussah wie ein Wohnzimmer. Sehr gemütlich und superleckeres Essen!

Am Sonntag war ich mit Tina im Café Spring hier an der Eda-Station frühstücken. Wir haben lange gequatscht, danach musste ich direkt los zu Anna und Peter, denn Ferdinand hatte unter der Woche Geburtstag und wir waren zu Kaffee und Kuchen. Der Tag war super gemütlich. Abends musste ich nochmal an den Schreibtisch.

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