Endlich Schule

Da die erste Woche für mich mehr aus Konferenzen und anderen Terminen als aus Unterricht bestand, ging es für mich jetzt erst mit dem Unterricht los. Ich bin Teamteacher mit Catalina und Jens D. – die beiden haben jeweils eine 6. Klasse in Deutsch und da bin ich montags und dienstags immer dabei, um die beiden und natürlich die Kinder zu unterstützen. Ich durfte direkt einen Einstieg zu Wortarten bei Catalina gestalten, das war toll. So junge Schüler*innen hatte ich das letzte Mal im Ref am Hebel-Gymnasium. Ist ne ganz andere Welt als die Mittelstufe!

Nach dem Unterricht konnte ich endlich meinen Mietvertrag unterschreiben. Leider darf niemand, der nichts mit der Schule zu tun hat, in das Schulgebäude rein, also saß ich mit Suzuki san, meinem Makler, auf einer Bank vor der Schule. Das Unterschreiben eines Vertrages hier dauert echt ewig. Ich musste gefühlt 20 Mal unterschreiben und alles doppelt. Hier ist es üblich, viele Versicherungen abzuschließen. Für den Katastrophenfall und für den Fall, dass ich meine Miete aus irgendwelchen Gründen nicht zahlen kann. Naja, ich mache das jetzt einfach alles mal, denn man weiß ja nie. Hier sind jeden Tag kleine Erdbeben und gerade auch noch Taifunzeit, das heißt, es kann immer irgendetwas passieren. Auf das große Erdbeben warten hier eh alle.

Im Anschluss musste ich einen DaZ-Einstufungstest beaufsichtigen. Da ich auch einen DaZ-Kurs habe, war es ganz hilfreich für mich zu sehen, wie die Kinder abschneiden. Sie werden je nach Ergebnis der Tests in Niveaustufen unterteilt und bekommen dann ihren passenden Unterricht. So die Theorie. In der Praxis sieht es natürlich wieder etwas anders aus. Aber ich finde mich schon rein…

Nach dem Test bin ich schnell zum Ward Office gefahren, das für mich zuständig ist. Wenn man neu in Japan ist, muss man sich registrieren lassen, denn erst dann kann man ein Konto eröffnen und eine japanische Handynummer beantragen. Ich bin sehr stolz, dass ich das Ward Office überhaupt gefunden habe. Das war die erste Hürde. Ich gehe rein, zur Infotheke, dort schickt man mich nach oben. Also warte ich ganz brav in der Reihe am Aufzug, ein Japaner steigt ein, ich auch, er steigt wieder aus. 😀 Es ist manchmal schon krass, wie dezent man Ausländer*innen zeigt, dass sie nicht willkommen sind.

Oben angekommen hatte ich Glück, dass eine Frau Englisch sprach. Sie gab mir einen Zettel und ein beispielhaft ausgefülltes Formular, damit ich meinen Zettel ausfüllen kann. Ich habe NICHTS verstanden. Das war zwar irgendwie auf Englisch, aber eigentlich eher Japanisch und die Formulare sind so unübersichtlich! Ich blicke ja in Deutschland schon viele Papiere nicht, wie soll man das dann im Ausland bewältigen? 😀 Kurz vorm Heulen habe ich die nette Frau noch einmal um Hilfe gebeten. Sie hat mir dann bei jeder Lücke gesagt, was ich machen soll. Sehr freundlich. Anschließend musste ich eine Nummer ziehen und warten, bis ich dran war. Das hat so ca. 40 Minuten gedauert. Nachdem ich meine Unterlagen abgegeben hatte, bekam ich eine Karte, auf der eine Zahl draufstand. Dass ich darauf warten sollte, bis diese Zahl aufploppt, war mir schon irgendwie klar, doch es gab ca 10 Anzeigen, auf denen völlig verschiedene Zahlen draufstanden. Manche Angestellte hoben auch laminierte Zettel mit Zahlen drauf in die Luft und riefen die Zahlen nochmal in den Raum. Digitalisierung halt. Irgendwann kam eine Frau, die meine Nummer rief, ich hatte wohl meine Adresse nur zur Hälfte draufgeschrieben, warum auch immer. Also wieder warten. Tina hatte mir zum Glück eine Übersetzung der Karte geschickt, weil mit meinem Smartphone ganz viel nicht mehr funktioniert. Ich hab mich fast gekugelt vor Lachen.

Als dann endlich die 044 aufploppte, konnte ich meine Residence Card mit Adressaufdruck abholen und musste noch 300 Yen für eine Bescheinigung bezahlen. In meiner unendlichen Naivität zücke ich meinen Geldbeutel, doch der nette Herr am Schalter deutet nur auf einen Automaten. Ich dackel also an den Automaten, drücke auf die 300-Yen-Taste, schmeiße meine Münzen rein und drücke eine weitere Taste. Nachdem mein Geld drei Mal wieder unten rausgefallen ist, kommt der gute Mann dazu und macht das für mich. So panne. 😀 Aber ein Gutes hat es. Mir ist echt fast nichts mehr peinlich, weil man sich ohnehin ständig zum Deppen macht.

Daniel hat abends fein für uns gekocht zur Feier des Tages! So lieb, ich weiß gar nicht, wie es werden soll, wenn ich nicht mehr bei den beiden wohne. Das war so eine schöne Zeit, wie im Studium in den WGs.

Dienstag ein ganz „normaler“ Schultag, ich konnte meine beiden 7. Klassen in Deutsch endlich mal richtig kennenlernen und die ersten Inhalte besprechen. Latein mit den 11ern war auch cool. Sehr motivierte Jugendliche, das wird richtig viel Freude machen! Leider fiel am Mittwoch meine erste Lateinstunde bei den 10ern wegen einer Dienstbesprechung aus, aber danach konnten wir Tinas Geburtstag ein bisschen feiern und uns über die letzten Tage austauschen. Leider wurden wir von Mücken attackiert, wir alle hatten komplett zerstochene Arme und Beine.

Am Donnerstag, dem 03.09.2020, waren wir neuen Kolleg*innen am Abend in die Botschaftsresidenz zum Empfang eingeladen. Ich habe natürlich gleich meine neuen Sneakers eingeweiht, weil japanisch-deutsche Beziehungen und so. Der Garten der Residenz ist so schön, ein riesiger Park im Grunde genommen. Es gab gute Getränke, unter anderem FRANKENWEIN, Silvaner aus Kitzingen! Whaaaaat? 😀 Das Essen war leider nur mäßig, wir bekamen alle zwei Bentoboxen, eine war gefüllt mit deutschen Speisen und die andere war voller Kuchenstückchen. Aber die Idee dahinter war ganz süß, nämlich die Verbindung von Japan und Deutschland. Fast wie meine Sneakers…

Gegen 10 Uhr sind wir wieder heimgekommen. Lisa, Daniel und ich haben nochmal ne Runde gequatscht, denn am Freitag sollte ich ja umziehen. Seltsames Gefühl.

Freitag Vormittag war meine Schlüsselübergabe, Suzuki san hat mich abgeholt, so konnte ich schon ein paar Sachen in die Wohnung mitnehmen. Nachdem alles gecheckt und auch der Gas-Installateur da gewesen war, konnte ich noch kurz meine Schulsachen holen und an die Schule fahren. Ich hatte ja auch noch Unterricht. Die 7er in Deutsch und die 10er in Latein. Die erste Stunde, endlich! Latein haben die Schüler immer in der 9. und 10. Stunde, das heißt von 14.55-16.25 Uhr. So kann man ein Fach auch unattraktiv gestalten, just saying. Aber die 10er sind auch richtig cool, ich freu mich sehr drauf!

Nach der Schule dann der große Umzug. Jens F. hat ein riesiges Auto und bietet immer seine Hilfe an – das habe ich natürlich gerne angenommen. Letztendlich haben aber er und Dominik meinen Umzug geschmissen, weil das „schneller geht“. OK… Tina und ich haben Getränke besorgt, bei der zweiten Runde bin ich mit in die Wohnung gefahren, um ein bisschen herzurichten, während die beiden Männer Caro, Tina, Bier, Chips und meine restlichen Sachen abgeholt haben. Lisa kam auch vorbei und wir saßen an meinem Tisch bei Chips und Bierchen, bis die bestellte sauteure Pizza kam. Catalina ist später auch noch dazugestoßen und so war der erste Abend in der neuen Bude wirklich ein sehr schöner. Mir war den ganzen Tag ein bisschen zum Weinen zumute, aber so war es leicht. Jetzt beginnt wirklich ein neuer Abschnitt.

Am Samstag waren Tina und ich noch einen Kaffee trinken, bevor ich meine restlichen Sachen aus ihrer Wohnung abgeholt habe. Im Café haben wir Jutta und Frank getroffen und uns verquatscht. So langsam wird das unsere Hood, würde ich sagen. 🙂 Den Rest des Samstags habe ich geputzt und ein bisschen rumgeräumt. Wird aber noch eine ganze Weile dauern, bis die Wohnung eingerichtet ist.

Sonntag war ich mit Henning und ein paar seiner (japanischen) Freunde in der Nähe von Disneyland in einem Park picknicken. Es war wirklich witzig, ein Kauderwelsch aus Englisch, Japanisch und Deutsch, Händen und Füßen. Die Gruppe ist super offen und lustig. Wir wurden von einem Regenschauer erwischt, ich war natürlich klatschnass. Taifunzeit halt. Naja, wird ja wieder trocken. Wir mussten allerdings erstmal umziehen, wurde dann ne Stehparty. Es gab so viele verschiedene Sachen zum Probieren, Yumi und Yutaka hatten sogar Tintenfische mitgebracht. 😀 Allerding wieder Tonnen an Plastik produziert. Die Plane hätte ich jetzt eher wieder mit heimgenommen, denn die könnte man ja noch einmal für ein Picknick oder so verwenden. Aber hier wird einfach so viel direkt in den Müll befördert. Für mich echt ein Schock. Den Abend haben wir gemeinsam in einer Bar ausklingen lassen, um 20 Uhr konnten wir noch das Feuerwerk vom Disneyland bestaunen. Es war ein lustiger und verrückter Tag. Ich bin einfach nur todmüde ins Bett gefallen.

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