Die Einreise

Nun habe ich die erste Nacht im Hotel in Quarantäne verbracht und bin
gerade dabei, den neuen Rhythmus zu finden – die Zeitverschiebung von sieben
Stunden ist bisher gut verkraftbar, aber der Schlafmangel durch das wie immer
chaotische Packen, die Anfahrt nach Frankfurt, den langen Flug und die
unglaublich bürokratische Einreise ist immens. Meinen Wecker mag ich ja ohnehin nicht besonders, aber heute hat er mir gefühlt den Rest gegeben…

Kommen wir mal zu den interessanteren Details: Nachdem ich mal wieder
superspät dran war mit dem Packen meiner Koffer (meine Umzugskartons, die Micha
mir schicken wird, habe ich immerhin bereits vorbereitet), konnte ich
tatsächlich ein paar gemütliche Stunden bei Niko im Biergarten mit ein paar Freunden verbringen, bevor ich meinen Krempel nochmal umpacken musste, weil einer meiner Koffer viel zu schwer war. Also wurde eine Nachtschicht daraus. Nach drei Stunden Powernap konnte ich meine restlichen Sachen noch verstauen und das Handgepäck vorbereiten, das natürlich viel zu groß und viel zu schwer war. Aber: No risk no fun!

Kurz nach 7 Uhr sind Micha und ich zum Flughafen gedüst, wo wir uns um 10 Uhr c.t. (ich war ein bisschen zu spät) mit einigen anderen zukünftigen Kolleg*innen am Check-In-Schalter versammelt haben. Die erste coronakonforme Begrüßung folgte. Wir kannten uns schon so ein bisschen über Skype und Whats-App, aber es war schön, sich „in echt“ zu sehen. Ganz wichtig war auch die Übergabe von Dominiks Pass mit Visum!

Der Check-In gestaltete sich problemlos, meine Koffer wogen beide exakt 23 kg (das ist mir noch NIE passiert!) – die Frau am Schalter hat sich lustigerweise auch sehr darüber gefreut. Ich glaube, dass sie deshalb einfach vergessen hat, nach meinem Handgepäck zu fragen, geschweige denn es zu wiegen. Glück gehabt!

Dann kam der schwerste Teil: Der Abschied von Micha. Ich hab mich extra zusammengerissen, weil ich nicht vor allen Leuten heulen wollte, aber ein paar Tränen sind natürlich doch geflossen. Gehört nunmal bei mir dazu. Aber wenn ich an meinen Abschied denke, als ich 2011 nach Griechenland geflogen bin, war das eher ne softe Nummer. Es ist trotzdem hart, nicht zu wissen, wann wir uns wieder sehen. Und das beziehe ich nicht nur auf Micha, denn durch die Pandemie ist eben gerade nicht planbar, wann ich den ersten Besuch bekommen kann. Natürlich weiß ich meine privilegierte Situation dennoch sehr zu schätzen! Also Kopf hoch und positiv bleiben!

Bei der Sicherheitskontrolle wurde dann mein halber Rucksack ausgeräumt, die haben meine Schmuckkästchen entdeckt und alles einmal aufgemacht und kontrolliert. Und weil mein Schmuck wohl so schön ist (Achtung, Ironie!), wurde wirklich jedes kleine Schächtelchen (immerhin sieben Stück!) geöffnet und bewundert. Der Beamte dort meinte zu mir: „Sie haben sehr schönen Schmuck. Machen Sie den selber?“ 😀 Alles klar.

Als wir alle durch die Sicherheitskontrolle durch waren, trafen wir Caro, eine Kollegin, die nun beinahe ein halbes Jahr in Deutschland feststeckte, weil sie nach einem Besuch in Deutschland nicht mehr nach Japan reingelassen wurde. Wir haben alle mit einem Bierchen auf unsere Reise angestoßen und uns ein bisschen kennengelernt. Zudem hatten wir ein Geburtstagskind unter uns, Alex, den Mann unserer neuen stellvertretenden Schulleiterin Daniella! Also gleich zwei Anlässe zum Feiern! Mit dabei waren auch Anna, Peter und ihr Sohn Ferdinand, Henning und Dominik. Kurz danach kam auch Dominiks Freundin Ryoko dazu, die zu unser aller Glück Japanerin ist. Sie war aus der Schweiz nach Frankfurt geflogen, um mit uns weiter nach Japan zu ziehen.

Im Flieger wurden alle Passagier*innen auf Abstand gesetzt, ich hatte eine ganze Reihe für mich, was mir sehr zugute kam, weil ich mich zwischendurch hinlegen konnte. Der Flug dauerte mit 11,5 schon sehr lange. Leider konnte ich nicht viel schlafen, aber immerhin zwei Mal ein, zwei Stunden. Gegen Ende des Fluges wurden uns Zettel ausgeteilt für den Zoll und die Einreise und für die Corona-Situation, die wir alle schön brav ausgefüllt haben.

Am Flughafen Tokyo Haneda wurden wir zuerst in einem Raum empfangen, an dem wir einen Zettel bekamen, auf dem das weitere Prozedere erklärt war. Sehr cool. Im Grunde aber unnötig, weil wir ja eh nirgendwo anders hin konnten. Wir mussten erst eine ganze Weile in diesem Raum warten, aus dem wir dann durch einen Gang in den nächsten Raum geleitet wurden. Im Gang saßen Sachbearbeiter*innen, die unsere Formulare gecheckt und uns eine Nummer für den Test verpasst haben. Wir erhielten ein Röhrchen, auf dem eine von Hand gemalte Markierung zu sehen war. Im nächsten Raum, den ich mal „Spuck-Raum“ nenne, bekamen wir einen kleinen Trichter und mussten in eine „Spuck-Kabine“ rein, wo Bilder von Zitronen und einer Frucht hingen, die ich noch nicht kenne. Offenbar auch etwas Saures, um den Speichelfluss anzuregen. Nach der Spuckaktion mussten wir das Röhrchen abgeben und durften in den nächsten Raum ziehen. Dort haben dann Ryoko und Dominik im Grunde alles für unsere Gruppe geregelt, sie haben unsere Zettel eingesammelt und für uns abgegeben, wieder ausgeteilt und so weiter. Als alle Papiere dann gecheckt waren, durften wir Platz nehmen und auf das Testergebnis warten. Das hat ungefähr eine Stunde gedauert, aber ich habe, ehrlich gesagt, nicht mehr so genau auf die Uhr geschaut. Als die Ergebnisse da waren (alle negativ!!), durften wir dann mit einem rosa Zettelchen weiterziehen. Da begann erst die eigentliche Immigration.

Diese gestaltete sich auch etwas komplizierter. Wir haben ja unsere Visa bzw. die ADLK-Leute einen speziellen Status, aufgrund dessen sie einen anderen Pass haben als wir OLK. Man kann es, meine ich, mit einem Diplomatenstatus vergleichen.

Ich hab meinen Pass mit Visum abgegeben, der Sachbearbeiter hat mich fotografiert und meine Fingerabdrücke genommen, eine Kollegin gerufen und mir gesagt, ich solle ihr folgen. Mir ging schon die Düse, weil ich nicht wusste, was los war, und ich dachte, ich hätte etwas falsch ausgefüllt. Ich bin mit einer sehr freundlichen Japanerin mitgelaufen, die mich in einen muffigen, fensterlosen Raum gebracht hat, in dem eine andere Frau und eine kleine Familie saßen. Ich wollte schon eine Nachricht an unsere Gruppe schicken, aber dann wurden glücklicherweise gleich die Nächsten aus der Gruppe in den Raum geführt. Wir alle mussten noch Formulare für die Immigration ausfüllen und auf unsere Residence Card warten, die am Flughafen direkt ausgestellt werden sollte. Lustigerweise bekam ich meine Residence Card als Erste, was mich sehr verwundert hat. Die meisten kennen ja meine Liebe zu Bürokratie und Formularen… Offensichtlich hat aber alles geklappt. Während dieser Warterei wurden unsere Koffer schön sortiert auf die Gepäckwagen gepackt und diese mit Namen und Flugnummer versehen. Seeeehr organisiert. Zwei nette japanische Flughafenangestellte haben auf die Sachen aufgepasst, bis alle sich eingefunden hatten. So witzig! Allerdings unnötig, denn der Flughafen war generell so gut wie leer.

Weiter ging es zum Zoll. Hier habe ich einen Zettel abgegeben, auf dem ich vermerkt hatte, dass mir noch ganz viele Pakete nachgeschickt werden. Ich durfte durchlaufen und wurde von einem netten Empfangskomitee begrüßt, bestehend aus unserem Schulleiter, dessen Frau und Verena, die bei der Schulverwaltung arbeitet und uns mit Rat und Tat zur Seite stand und steht. Kurz darauf kam der freundliche Angestellte mit meinem Zollzettel und wollte auf Japanisch von mir wissen, ob ich JETZT noch 25 Gepäckstücke bekäme?! Natürlich habe ich NICHTS verstanden, Verena spricht als Japanologin allerdings die Sprache und hat mir gleich geholfen. Letztlich musste ich den Zoll-Zettel noch einmal genauso ausfüllen wie den ersten, um den ersten dann wieder zurückzubekommen mit einem Vermerk, den ich irgendwo wohl vorlegen muss. Das schaue ich mir mal genauer an.

Letztendlich mussten wir draußen noch eine knappe Stunde warten, bis alle mit ihren Residence Cards durch waren. Kurzer Stopp beim Seven Eleven und dann auf zum Bus, der schon seit unserer Landung auf uns gewartet hat. Wahnsinn!

Wir wurden zu unseren Quarantäne-Unterkünften gefahren und im Hotel angekommen war ich einfach nur dankbar für eine Dusche und ein bisschen Ruhe.

Um 18 Uhr trafen wir uns bereits zum Abendessen im Konferenzraum – da kann man so schön Abstand halten. 😀 Den Abend haben wir vier in einem unserer Zimmer bei einem kleinen Gin (leider ohne Tonic) und guten Gesprächen ausklingen lassen. Und was richtig cool ist: Alle sind in der GEW – ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit an der Schule, ich glaube, das wird richtig bereichernd!

2 Kommentare zu „Die Einreise

  1. Liebe Anja,

    vor deinem Abflug haben wir uns ja leider nicht mehr gesehen. Daher auf diesem Wege: alles Gute, viel Spaß & viel Freude am Entdecken von Japan! Ich bin gespannt, was du berichtest aus diesem faszinierenden Land 🙂

    Liebe Grüße
    Madeleine

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  2. Wow Anja..wo es dich hinverschlagen hat in diesen Zeiten..du abenteuerlustige🥰
    Ich wünsche dir ein weiterhin offenes Herz,Augen und Ohren..und bleib gesund,neugierig und fröhlich..viele liebe Grüße

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